Audiovisuelles Übersetzen

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Beim Spotting muss man, wie gesagt, auch auf die FilmgestaltungFilmgestaltung achten, in den Richtlinien wurden Schnitte erwähnt: Wenn möglich, sollten Untertitel nicht über einen SchnittBildschnittSchnitt hinausgehen. Leider ist das nicht immer möglich. Falls man einen Untertitel über einen Schnitt ziehen muss, muss der Untertitel länger als im Normalfall stehen bleiben, da sich sonst ein Flackereffekt aus der Kombination von Filmschnitt und Untertitelwechsel ergibt. Es ist nicht immer möglich, die Untertitel exakt so auf den BildschnittBildschnitt abzustimmen, wie es die Kunden wünschen.

Wenn man als Übersetzer einen Film spottet, überlegt man bereits, ob man einen Text in mehrere aufeinanderfolgende Untertitel einteilen muss. Wenn es sich um einen Dialog mit kurzen Sätzen pro Person handelt, ist dies kein Problem. Man spottet den Dialog, fertig.
Oft sind Sätze aber lang und müssen auf mehrere Untertitel verteilt werden. Diesen Vorgang bezeichnet man als SplittingSplitting.
Mal kurz nachdenken … Was könnte man tun, um zu markieren, dass der Satz im nächsten Untertitel fortgesetzt wird? Sie haben sicher schon Beispiele dafür gesehen!
Es gibt mehrere Standard-Möglichkeiten, eine Fortsetzung anzuzeigen: einen Gedankenstrich oder drei Auslassungspunkte. Welches von beiden man nimmt, wird normalerweise vom Auftraggeber vorgegeben. Wenn man einen Satzteil am Untertitelende mit den drei Punkten oder dem Gedankenstrich markiert hat, beginnt man den nächsten Untertitel klein, bei vorhergehenden Auslassungspunkten eventuell auch mit drei Auslassungspunkten. Dass man vielleicht weder Gedankenstriche noch Punkte nimmt, wird in der Fachliteratur der 1990er und 2000er abgelehnt. Ivarsson und Carroll weisen darauf hin, dass jeder Untertitel, der nicht mit einem Punkt, Ausrufezeichen oder Fragezeichen endet, vom Zuschauer als unvollständiger Satz wahrgenommen wird; man muss also immer auf die Interpunktion achten. Doch die Abwesenheit von Zeichen nach einem Satz, der im nächsten Untertitel fortgesetzt wird, setzt sich durch. Vermutlich ist diese Entwicklung durch den Einfluss der Live-UntertitelungLive-UntertitelungUntertitelungLive-Untertitelung entstanden (siehe Kapitel 7.7). Für Filme gilt immer noch, dass ein Untertitel nicht mehr als zwei Zeilen haben sollte (Ivarsson / Carroll 1998: 53). Die maximale ZeichenzahlZeichenzahl pro Zeile ist heute in fast allen UntertitelungsprogrammenUntertitelungsprogramm auf 37 eingestellt, doch, wie bereits gesagt: Die Project SettingsProject Settings kann man ändern.

Was ist mit deiner Hand? Hast du wieder schlecht geschweißt? – Gar nicht wahr! (Zusammen! Schweden / Dänemark / Italien 2000: 10:13:19)
Wenn die Revolution anfängt, dann werden wir ja sehen, wer hier lacht. (Zusammen!Zusammen! Schweden / Dänemark / Italien 2000: 10:15:12)
2.3.3 Zeilenaufteilung
Bei ZweizeilernZweizeiler, also zweizeiligen Untertiteln, ist eine logische Trennung zwischen erster und zweiter Zeile wichtig. Man sollte also nicht einfach die erste Zeile bis zum Anschlag füllen, sondern sich überlegen, wie man einen Satz so trennen kann, dass der Leser nicht verwirrt wird (englische Beispiele in Ivarsson / Carroll 1998: 76-78). Wie würden Sie folgende Sätze trennen? Sie sollen weder gekürzt noch gesplittet werden, nur für einen Untertitel in zwei Zeilen aufgeteilt.
Es ist ziemlich blöd, da Erik einfach kein Schweißer ist. (Zusammen!Zusammen! Schweden / Dänemark / Italien 2000: 10:13:36)
Ich heiße Joyce. Du hast den Marshmallow-Pudding noch nicht probiert … (Edward mit den Scherenhänden, USA 1990: 10:35:45)
Weißt du, sie hat als Beraterin angefangen, genau wie ich. (Edward mit den ScherenhändenEdward mit den Scherenhänden, USA 1990: 10:50:31)
Vermutlich haben Sie klare Vorstellungen, wie das aussehen soll. Wenn Sie nicht wissen, wie Sie anfangen sollen, finden Sie gute Beispiele für eine Verbesserung der Zeilenaufteilung bei Hinderer 2009: 299-304. Außerdem wurden hier bereits die übersetzten Untertitel angeführt. Schauen Sie sich die Filme an – hätten Sie die Untertitel anders gestaltet?
Man sollte ein gutes Gefühl für die Zeilenaufteilung entwickeln, ohne immer das Filmbild anschauen zu müssen. Wenn der Untertitel schon im Bild steht, ist es jedoch einfacher zu entscheiden, ob die Zeilenaufteilung gut ist. Die folgenden Screenshots stammen aus dem Schülerfilm Die Kunst des SpickensDie Kunst des Spickens (Deutschland 2003) von Daniel Wolf und Daniel Frei.


Zeilenumbruch 1 (Die Kunst des Spickens © Daniel Wolf / Daniel Frei)

Zeilenumbruch 2 (Die Kunst des Spickens © Daniel Wolf / Daniel Frei)

Zeilenumbruch 3 (Die Kunst des Spickens© Daniel Wolf / Daniel Frei)

Zeilenumbruch 4 (Die Kunst des Spickens © Daniel Wolf / Daniel Frei)
Am Anfang übt man die Zeilentrennung am besten mit langen Sätzen, die man zu einem beliebigen Film in ein Untertitelungsprogramm eingibt. Das muss nicht der Dialogtext sein. Weitere Übungen zur Zeilenaufteilung finden sich im Kapitel zur Untertitelung für Hörgeschädigte (7.6.1).
2.3.4 Gestaltung
Wenn man für eine Untertitelungsfirma arbeitet, wird die gesamte Gestaltung durch Richtlinien vorgegeben, nicht nur die technischen Parameter. Dasselbe gilt für Rundfunkanstalten. Auf dem freien Markt gibt entweder der Kunde die Regeln vor oder Sie richten sich nach dem im Anhang zu diesem Kapitel abgedruckten ESIST CodeESIST Code – oder Sie sind völlig frei in der Gestaltung.1
Von der technischen Seite her gesehen, ist auch eine individuelle Gestaltung von Untertiteln kein Problem. Die Gestaltungsparameter werden für den jeweiligen Film im Untertitelungsprogramm festgelegt. Das geschieht vor der eigentlichen Untertitelungsarbeit, kann aber währenddessen umgestellt und angepasst werden.
Mal kurz nachdenken … Was kann man da wohl einstellen?
Die Gestaltungsmittel für Untertitel ähneln denen, die man in gängigen Textverarbeitungsprogrammen findet. Das bedeutet, dass man folgende Parameter bearbeiten kann: SchriftartSchriftart, SchriftgrößeSchriftgröße, FarbeFarbe und AusrichtungAusrichtungAusrichtung der Untertitel. Untertitelungsprogramme haben eine Standardeinstellung, mit der man als Anfänger arbeiten sollte und die auch für viele professionelle Aufgaben gut ausreicht
Untertitel sollen ohne Anstrengung lesbar sein und das Filmbild nicht stören – das ist eigentlich selbstverständlich. Man soll gar nicht wahrnehmen, dass man Untertitel liest. Ob man dieses Ziel erreicht hat, sieht man am besten daran, dass die Zuschauer behaupten, sie hätten den Film sicher auch ohne die Untertitel verstanden.
Mal kurz nachdenken … Wie kann man das erreichen?
Zunächst sollte man eine gut lesbare SchriftSchriftart wählen, in passender Größe. Die Untertitel sollen gut zu lesen sein, aber das Bild nicht dominieren. Die einzelnen Wörter müssen klar und deutlich voneinander getrennt sein. Der voreingestellte Farbstandard für die Schrift ist weiß.
Mal kurz nachdenken … Wann ist das problematisch? Was könnte man machen?
Vor einem weißen oder einem anderen sehr hellen Hintergrund kann man keine weiße Schrift verwenden. Man versieht in diesem Fall die Untertitel entweder mit einer Umrandung oder stellt sie in eine schwarze BoxBox.

Solche Formatierungen funktionieren in der Untertitelungssoftware genauso wie bei einem Textverarbeitungsprogramm, sind also heute nicht mehr aufwändig.


Arial (serifenlose Schrift), weiß, zentriert, ohne Box / Umrandung (George Herriman: Krazy Kat, USA 1916)

Arial (serifenlose Schrift), schwarz, zentriert, ohne Box / Umrandung (George Herriman: Krazy Kat, USA 1916)

Arial (serifenlose Schrift), weiß, schwarze Box (George Herriman: Krazy Kat, USA 1916)

Arial (serifenlose Schrift), weiß, kursivkursiv, Drop ShadowDrop Shadow (George Herriman: Krazy Kat, USA 1916)
In fast allen untertitelten Filmen im Kino und auf DVD findet man heute Untertitel in einer weißen, serifenlosen Schrift, die an Stellen mit hellem Hintergrund eine Umrandung bekommt. An bestimmten Stellen wird KursivschriftSchriftKursivschrift zur Markierung verwendet; wo genau, hängt von den Richtlinien der Untertitelungsfirmen oder Sender ab.
Mal kurz nachdenken … Haben Sie das schon einmal bemerkt? Wann?
Im Allgemeinen werden mit Kursivschrift Stimmen aus RadioRadio oder FernsehenFernsehen markiert; in manchen Filmen werden LiedtexteLiedtext kursiv gesetzt (Ivarsson / Carroll 1998: 118; Nagel 2009: 96). Manchmal wird Kursivschrift auch benutzt, wenn ein SprecherSprecher nicht im Bild ist, was aber häufiger bei Untertiteln für Gehörlose und Hörgeschädigte vorkommt.
Was die AusrichtungAusrichtung der Untertitel, also ihre Platzierung im Bild, betrifft, so kommt man als Laie zunächst nicht auf den Gedanken, dass es darüber eine Diskussion geben könnte. Bei den meisten Programmen kann man zwischen ÜbertitelnÜbertitel, die allerdings noch im Bild stehen und nicht wie im Theater quasi über dem Bild, Titeln in der Bildmitte und Untertiteln wählen. Zentrierte UntertitelUntertitelzentrierte Untertitel sind der Normalfall. Die Frage, ob Untertitel zentriert sein sollen oder lieber linksbündigUntertitellinksbündige Untertitel, spaltet trotzdem die Gemüter.
Mal kurz nachdenken … Wann ist linksbündig vielleicht besser, wann zentriert?
Bei Dialogzeilen ist die linksbündige Variante besser lesbar, weil dann beide Dialogstimmen auf gleicher Höhe anfangen (Ivarsson / Carroll 1998: 50). In Spielfilmen werden trotzdem zentriert gesetzte Untertitel bevorzugt, da der Weg von der im Zentrum der Leinwand stattfindenden Handlung zu den Untertiteln für die Augen des Zuschauers auf diese Art und Weise am kürzesten ist (vgl. Nagel 2009: 62 und 94-98). Beispiele zur Untertitelung von Dialogen finden Sie in Kapitel 7.6.1.
Nicht alles im Film ist gesprochene Sprache. Manchmal erscheinen Schilder im Bild, Briefe, Tagebücher, Zeitungsschlagzeilen, die Informationen enthalten, die der sprachunkundige Zuschauer ebenfalls benötigt. Diese texthaltigen Elemente bezeichnet man als DisplaysDisplay (Ivarsson / Carroll 1998: 4). 3 Das hier angeführte Beispiel ist besonders textlastig:

Brief aus Dating: Do’s and Don’ts (USA 1949)
Zu diesem Bild benötigen Sie folgende Informationen: Von 10:00:26:24 bis 10:00:37:02 sieht man den Jungen Woody, der den Brief öffnet und den ersten Absatz laut vorliest. Von 10:00:37:03 bis 10:00:48:17 sieht man die oben abgebildete Einstellung.

Für den völlig sprachunkundigen Zuschauer ist die Untertitelung eines Displays oft hilfreich, wenn nicht gar notwendig. Nicht alle Schriftstücke in Filmen sind so banal und offensichtlich wie das in diesem Beispiel.
Es ist andererseit schade, wenn ein gut sichtbarer Untertitel wie ein Paukenschlag auf einen raffiniert versteckten, aber wichtigen Text im Bild aufmerksam macht. Vielleicht merken ja auch nicht alle Zuschauer der Originalversion, dass der Regisseur dort eine Information untergebracht hat. Doch in der zielsprachlichen Version hat der Zuschauer ohne Hilfe gar keine Chance, die Filmstelle zu verstehen und bekommt vielleicht später Probleme mit dem Handlungsverlauf.
Ein gutes Beispiel für den Einsatz von Untertiteln bei Displays ist Chihiros Reise ins ZauberlandChihiros Reise ins Zauberland (Sen to Chihiro no KamikakushiSen to Chihiro no Kamikakushi, Japan 2001). Viele Zuschauer, gerade jüngere, dürften nicht genug Japanisch können, um zu verstehen, was die Hexe Yubaba mit den Schriftzeichen tut.4 Diejenigen, die Japanisch können, ärgern sich vermutlich über den Untertitel, den sie selbst gern anderen erklärt hätten.
Erläuterungen von Displays werden nicht nur bei der interlingualen Untertitelung eingesetzt.
Mal kurz nachdenken … Bei welchen anderen Verfahren der AV-Übersetzung macht man das auch?
Kurz gesagt: Nur bei der intralingualen UntertitelungUntertitelintralinguale Untertitel für Hörgeschädigte braucht man es nicht. Auch bei der SynchronisationSynchronisation werden Displays entweder untertitelt oder im Dialogtext übersetzt. Beim FilmdolmetschenFilmdolmetschen ist ohnehin nur ein schnelles EinsprechenEinsprechen möglich; gut ist, wenn man noch schnell sagen kann, wo das Display ist. Eine konsequente Untertitelung von Displays ist in allen Fällen sehr selten, auch wenn es Filme gibt, bei denen die Displays eine wichtige Orientierungsfunktion für den Zuschauer haben (Wahl 2003: 87).
EinblendungenEinblendung ähneln den Displays, sind aber ein Zusatz zum Filmbild. BauchbindenBauchbinde (auf Englisch oft CaptionsCaptions) sind ein Spezialfall der Einblendung: kleine Boxen, Streifen oder Spracheinblendungen unten im Bild, in denen zum Beispiel der Name des SprechersSprecher steht. Sie kommen in Dokumentarfilmen und Nachrichtensendungen vor, aber auch in Spielfilmen, wenn dort Nachrichten oder Fernsehinterviews dargestellt werden. Einblendungen können überall im Bild vorgenommen werden, mit der Untertitelungssoftware ebenso wie mit technisch anspruchsvolleren, optisch ansprechenderen Verfahren bei der NachbearbeitungNachbearbeitung..
Mal kurz nachdenken … Wann müssen auch Namen in Bauchbinden bearbeitet werden?
Namen muss man natürlich nicht übersetzen, aber man muss sie unter Umständen transkribierentranskribieren (mit lateinischen Buchstaben wiedergeben). Dies gilt nicht nur dann, wenn die Ausgangssprache ein anderes Alphabet benutzt. Im Englischen, Französischen und in anderen Sprachen werden beispielsweise russische oder hebräische Wörter anders transkribiert als im Deutschen.
Im nachfolgenden Beispiel könnte man sich auch für Untertitel unter der Einblendung entscheiden.
Mal kurz nachdenken … Wäre das besser? Warum?
Ja, ein Untertitel wäre besser! ÜbertitelÜbertitel und Einblendung sind weit auseinander, das Auge hat kaum Zeit für das Filmbild. Auch in Filmen, in denen an manchen Stellen ein Übertitel gewählt wird, wird der restliche Text untertitelt.

Einblendung mit Übertitel (Die Kunst des Spickens © Daniel Wolf / Daniel Frei)
Mal kurz nachdenken … Warum sind Übertitel oft problematisch? Und was ist nicht gut daran?
Übertitel würden viel zu oft das Gesicht des Sprechers verdecken (Ivarsson / Carroll 1998: 51). Der Sprung zwischen einem Übertitel bei einem Bild und einem Untertitel bei dem nächsten ist sehr unangenehm, da der vorhergehende Titel den Blick lenkt.

Tierfilmer mit Eichhörnchen
Mal kurz nachdenken … Was können Sie hier tun? Der Name ist wichtig. Aber der Wissenschaftler hat den Mund geöffnet und spricht offensichtlich gerade über das Eichhörnchen – das ist sicher auch wichtig!
Richtig, im Deutschen muss man hier nichts tun. Wenn Amtsbezeichnungen oder akademische Grade in der Bauchbinde stehen, die in der Zielsprache anders heißen bzw. normalerweise in übersetzter Form genutzt werden, blendet man immer zeitgleich oder leicht versetzt eine Übersetzung ein (Nagel 2009: 94). Im Zweifelsfall lässt man die kürzer stehen als den gesprochenen Text, denn dieser ist wichtiger.
Bei den nachfolgenden Screenshots sind die unterschiedlichen Positionen von Unter- und Übertiteln durch das Bild motiviert:

Übertitel (Arial weiß, schwarze Box, zentriert) (Die Kunst des Spickens © Daniel Wolf / Daniel Frei)


Rechtsbündiger Untertitel (Arial weiß) (Die Kunst des Spickens © Daniel Wolf / Daniel Frei)

8. Und bei dem nächsten Beispiel gibt es einen Grund für die Entscheidung, den Untertitel linksbündig zu gestalten:

Linksbündiger Untertitel (Arial weiß, schwarze Box) (Die Kunst des Spickens © Daniel Wolf / Daniel Frei)
Über die Jahre haben die Zuschauer eine Erwartungshaltung entwickelt, wie Untertitel normalerweise aussehen. Sie haben eine TextsortenkompetenzTextsortenkompetenz für Untertitel entwickelt, was bedeutet, dass sie sich nicht besonders anstrengen müssen, um einen Film mit Untertiteln anzuschauen. Manchmal ändern sich Sehgewohnheiten und Richtlinien, aber das geschieht nicht plötzlich und überraschend. Man kann Untertitel auch kreativer gestalten (zur experimentellen Untertitelgestaltung weiter unten). Ausführliche Informationen zum allgemeinen Einsatz von Schrift in Filmen finden Sie in Krautkrämer 2013.
2.3.5 Textkürzungen
Der Übergang von gesprochener in geschriebene Sprache ist nicht immer einfach, auch dann nicht, wenn die gesprochene Sprache geskriptet ist. Dieser Gemeinplatz gilt auch für Untertitel: Gesprochene Sprache ist einfach schneller.
Im Kapitel zur Untertitelung für Hörgeschädigte wird die Debatte wörtliche Wiedergabe des Dialogtexts versus KürzungKürzung (wie auch die damit zusammenhängende Frage der VereinfachungVereinfachung) kurz angesprochen (Kapitel 7.6.2). Es gibt zwar kurze Ausrufe und Einwortsätze, für die man reichlich Zeit zur Verfügung hat, doch im Normalfall sind die Sätze leider zu lang für die StandzeitStandzeit des Untertitels.
Wer sich zunächst ein bisschen im Trockenschwimmen üben möchte, kann einen beliebigen Text in einer beliebigen Fremdsprache nehmen (am besten ein DrehbuchDrehbuch oder ein Theaterstück) und folgende Übungen zur Erstellung von interlingualen Untertiteln ausprobieren:

Radikale KürzungKürzungradikale Kürzung „am Text“: Wegstreichen, aber nicht ersetzen;
Umschreibende KürzungKürzungumschreibende Kürzung: Umformulieren oder verkürzte SynonymeSynonym finden, aber keine anderen Kürzungsmethoden einsetzen;
Syntaxübung: Die Syntax für die Untertitel ändern, die Lexik möglichst beibehalten;
So lang wie möglich: Untertitel so ausführlich wie möglich gestalten; den Platz vollständig nutzen.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, den Text für Untertitel zu kürzen. Buhr teilt diese Möglichkeiten ein in die VerdichtungVerdichtung und die AuslassungAuslassung von Textteilen (Buhr 2003: 56). Man kann jedoch eine weit komplexere Aufteilung vornehmen, wie Gottlieb (1992, im Nachfolgenden paraphrasiert nach Schröpf 2008: 56-58), der von CondensationCondensation, DecimationDecimation, DeletionDeletion und ParaphraseParaphrase spricht. Condensation bedeutet, dass Redundanzen reduziert werden, insbesondere Text-Bild-Redundanzen, aber auch nicht zwingend nötige Adjektive etc. Decimation ist ein eher frustrierendes Verfahren, da dabei bei schnellem Sprechtempo große Mengen des Dialogtextes nicht berücksichtigt werden. Deletion bedeutet Löschen und bezieht sich vor allem auf das Löschen von Wiederholungen, Interjektionen etc. – ein typischer Vorgang beim Übersetzen von gesprochener in geschriebene Sprache. Schließlich gibt es die Paraphrase, oft die Folge von Kürzungsvorgängen.
Mal kurz nachdenken … Was muss man nicht untertiteln, wenn es sonst Platzprobleme gäbe?
Marleau (1982) und Ivarsson / Carroll (1998) nennen internationale Begriffe, Höflichkeitsformeln, Ausrufe, EigennamenEigenname (soweit bekannt). Alle Autoren weisen auch darauf hin, dass man nicht untertiteln muss, was man sieht.
Mal kurz nachdenken … Welche Kürzungsmethoden passen auf die Übungen oben?








