Soft Skill für Young Professionals

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Abbildung 26: Aspekte und Elemente von Selbstbild und Fremdbild
Auch Fremdbilder sind subjektiv
Ebenso wie ein Selbstbild unterliegt auch ein Fremdbild verschiedenen externen Einflüssen. Eine Person wird stets in der Rolle beurteilt, in welcher sie auftritt. Diese Rollen können Chef, Konkurrent im Unternehmen, Ehepartner oder Bruder sein. Folglich ist ein Fremdbild sehr zielgruppenvariabel. Diese Ergebnisvarianz stellt sich bei einer etwas größeren Befragungsgruppe als sehr gute Quelle für ein umfassendes Bild dar, wobei alle Anmerkungen als Summe und nicht als Durchschnitt in das Fremdbild einfließen sollten.
Dabei müssen Sie ein Fremdbild stets im Zusammenhang mit dem Beurteilenden einordnen und interpretieren. Zur Bedeutung des Fremdbildes ist es ebenfalls wichtig, zu erwähnen, dass gerade diese Einschätzungen erst ein Selbstbild interessant machen. Die Frage, ob eventuelle Stärken und Schwächen auch als solche wahrgenommen werden, ist außerordentlich wichtig für die Karriereplanung und individuelle Zieldefinitionen.
Die Interpretation von einem Fremdbild sollte immer auf der Basis eines bereits erstellten Selbstbildes erfolgen. Damit wird vermieden, dass Sie sich durch die unmittelbaren Aussagen des Beurteilenden beeinflussen lassen. Ein authentisches Selbstbild zur Ergänzung eines Fremdbildes ist kaum herstellbar, in der umgekehrten Reihenfolge entstehen jedoch keine gegenseitigen Beeinflussungen.

Abbildung 27: Ablauf einer Analyse von Selbstbild und Fremdbild
Erstellung
Beim Erstellen eines Fremdbildes einen 360°-Ansatz wählen
Das Anfertigen eines Fremdbildes ist für die Entwicklung einer Persönlichkeit äußerst bedeutend. Gerade die Erstellung scheint keinerlei Schwierigkeit zu bergen, jedoch gerade für die spätere aktive Verwendung des Fremdbildes bedarf es gewissenhafter Vorbereitungen. Allzu oft wird ein Fremdbild von einer Führungskraft angefertigt, die von der Fragestellung und Lösung überfordert ist und in knapper Zeit und meist unstrukturiert probiert, nichts Verletzendes und pädagogische Formulierungen zu finden und niederzuschreiben. Damit erringen Sie allerdings maximal ein anspruchsloses und oberflächliches Fremdbild ohne Potenzial der Entwicklungsmöglichkeit.
Zur Identifikation der Befragungsgruppe zur Anfertigung der Fremdbilder verweisen wir auf die Beschreibung des 360°-Feedbacks (Kapitel 1.3.). Beim Erstellen eines Fremdbildes sollten Sie ebenfalls einen 360°-Ansatz wählen. Dies erlaubt, Gefälligkeit und pädagogische Ansätze von einzelnen Bezugsgruppen zu entmachten und ein deutliches Bild Ihres Auftretens zu erlangen. Direkte Bezugsgruppen sind also beruflich-hierarchisch Über-, Gleich- und Untergeordnete sowie Freunde und Familie. Sie sollten nicht von besonders engen Freunden und Verwandten ein umfassendes Fremdbild verlangen. Diese Personen können Teilbereiche des Fremdbildes gut abdecken, und diese Chance sollten Sie auch nutzen. Allerdings birgt ein Fremdbild dieser Personen über Missverständnisse und Dopplung von Aussagen auch arge Verzerrungen.
Stärken und Schwächen, Fachkompetenz, Interessen, Verhaltensweisen und Ziel
Zur Erstellung bieten sich die Punkte an, welche Sie auch schon im Selbstbild abgedeckt haben, dabei können jedoch einige Bereiche durch andere substituiert werden. Als konkrete Elemente bieten sich Stärken und Schwächen, Fachkompetenz, Interessen, Verhaltensweisen und Ziele an. Dabei sind die Bereiche Interessen und Ziele für den Beurteilenden besonders schwierig einzuschätzen, vor allem, wenn Sie bei der Erstellung und folgenden gemeinsamen Auswertung des Fremdbildes ihm direkt gegenübersitzen. Trotzdem spielen diese Aspekte eine elementare Rolle in Ihrer individuellen Interpretation. Wird es abgelehnt, einen dieser Bereiche zu bearbeiten, sollten Sie hart bleiben und darum bitten, wenigstens Vermutungen zu äußern. Diese können Sie, um sie von den anderen Punkten abzugrenzen, in einer anderen Farbe notieren lassen.
Dem Befragten Zeit lassen
Bei der Erstellung des Selbstbildes sollten Sie nicht selbst schreiben, sondern dies sollte ausschließlich der Befragte tun. Auch Ihre direkte Anwesenheit ist manchmal eher störend. Versuchen Sie, eine stichhaltige Unterweisung in die gewünschte Struktur und die Inhalte zu geben, und lassen Sie dann dem Befragten ausreichend Zeit, das Bild zu zeichnen. Die erwähnten Punkte können in ein vorbereitetes Blatt mit der leeren Struktur des Selbstbildes eingearbeitet werden oder Sie überlassen dem Interviewten die Ausgestaltung vollkommen frei. Falls Sie die beispielhafte Struktur von Abbildung 24 zur Erstellung des Selbstbildes verwenden wollen, können Sie genau jetzt die zweite Hälfte des Blattes einbringen. Dazu kleben Sie die andere Hälfte, also Ihr Selbstbild, einfach mit einem anderen Blatt ab, um den Befragten nicht zu beeinflussen.
Sie sollten den Befragten während der ganzen Ausarbeitung möglichst nicht in seinen Gedankengängen stören. Sie können als Grundlage die Kategorien vorstellen und sollten höchstens um etwas mehr Details in den Stichpunkten bitten. Mit dem Erfragen von Beispielen oder Gründen für bestimmte Aussagen wird der Befragte vorerst nur beeinflusst. Die jeweilige Gewichtung und Ausarbeitung der einzelnen Aspekte bleiben ebenfalls dem anderen überlassen. Erst bei der Präsentation des Fremdbildes durch ihn sollten Sie diese Fragen äußern und um Beispiele bitten. So erbarmungslos es klingt, aber bei der Erstellung eines Fremdbildes geht es nicht um Fairness und 100-prozentige Objektivität, sondern um intuitive Wahrnehmung – gemischt mit fundierter Evaluierung, beispielsweise der Fachkompetenzen – durch einen externen Meinungsträger.
Interpretation und Verwendung
Kein finales Feedback beim Empfang des Fremdbildes
Ein Fremdbild hat wie ein Selbstbild nur einen persönlichen Mehrwert, wenn Sie aktiv mit ihm arbeiten. Ein Großteil der Interpretation oder Auswertung kann schon durch die gemeinschaftliche Erstellung vorbereitet worden sein. Auch wenn ein Fremdbild vom Ersteller nach oder während der Zusammenstellung erläutert wurde, müssen Sie es dessen ungeachtet noch individuell interpretieren. Dieser eigenen Interpretation kann dann noch nach einer Woche Bearbeitung ein unmittelbares Feedback folgen. Auf keinen Fall sollte ein finales Feedback gleich beim Empfang des Fremdbildes gegeben werden. Bei der Überreichung kann bequem ein Termin in der folgenden Woche vereinbart werden, an welchem Sie die Einschätzung miteinander besprechen.
Individuelle Interessen und Fachkompetenzen
Zur konkreten Interpretation fangen Sie am besten erneut bei den Basisannahmen an. Meistens ist die Fremdeinschätzung von Ihren Werten, Moralvorstellungen und Zielen nicht sehr übereinstimmend mit Ihrem Selbstbild, und Sie sollten diese Punkte eher der sozialen Kompetenz zuordnen. Demzufolge sind es soziale Umgehensweisen, welche anderen Personen bei Ihnen besonders auffallen. Unter anderem können in der Fremdbeurteilung angeführte Punkte wie Ehrgeiz, Eigensinn oder Selbstgerechtigkeit in diese Kategorie fallen.
Die Reflexion der individuellen Interessen ist hingegen äußerst aufschlussreich. Diese Interessen werden größtenteils im Rahmen der beruflichen Arbeit formuliert – spiegeln also nicht freizeitliche Vorlieben ab – und zeigen damit an, auf welchen Gebieten Sie als außerordentlich engagiert und partizipierend wahrgenommen werden. Gilt Ihr individuelles Interesse zum Beispiel der Konzeption von Planungstools, sind Sie bei dieser Arbeit motiviert und leisten auffällig herausragende Ergebnisse. Demnach sind diese erwähnten Interessen substanzielle Stärken, mit welchen Sie sich beruflich positionieren, weiterentwickeln und wahrscheinlich vorankommen können. Umso mehr Interessen Sie vom Beurteilenden zugeordnet bekommen haben, desto enthusiastischer erscheinen Sie bei der Arbeit. Dieses Engagement ist ein beruflicher Mehrwert und kann nahezu überall als solcher eingebracht werden.
Bei der Formulierung der Fachkompetenz werden vorwiegend kleine Fakten erwähnt und keine bedeutenden Orientierungen kristallisiert. Folglich können Sie aber trotzdem aus den vermerkten Einzelheiten gut Konzentrationspunkte für Ihre Zukunft schlussfolgern. Die einzelnen Fachkompetenzen können Sie bedingungslos als Stärke ansehen. Sie sind daher die primären Treiber Ihrer Karriere. Wenn diese Stärken und Fachkompetenzen ausgebaut und kommuniziert werden können, ist die Chance vorhanden, den nächsten Schritt in der Karriereplanung anzugehen. Stärken und Fachkompetenzen müssen zuweilen abstrahiert und gelegentlich konkretisiert werden, da sie fast immer ungeheuer einseitig und pädagogisch dargestellt werden. Diese Pädagogik begründet sich in dem Versuch des Bewertenden, ein professionelles Feedback zu formulieren.
Analyse der Schwächen
Die Analyse der Schwächen identifiziert unmittelbar Lernfelder für die Zukunft. Die aufgeführten Punkte sind nicht nur unbeträchtliche Mängel Ihrer Kompetenz, sondern Schwächen, welche hervorstechen und folglich angegangen werden müssen. Dabei sollten Sie sich aber nicht einbilden, dass, wenn Sie diese Mängel beseitigt haben, keine neuen Mängel mehr genannt werden. Das Ergründen eines Fremdbildes ruft bei dem Beurteilenden unablässig das Gefühl hervor, etwas Negatives erwähnen zu müssen. Diesbezüglich sollten Sie auf keinen Fall versuchen, den Beurteilenden in kurzer Zeit vom Gegenteil seiner Aussage überzeugen zu wollen, denn dies erscheint unprofessionell und außerordentlich ehrgeizig. Taktvoller ist es, diesen Punkt behutsam anzugehen und, wenn Sie unbedingt Ihren Kritiker involvieren möchten, ihn in Ihre Pläne einzuweihen, wie Sie gedenken, diese artikulierten Schwächen abzubauen. Diese zweite Herangehensweise hüllt den Beurteilenden in den Stolz auf eine professionelle Bewertung und das Gefühl, effektiv geholfen zu haben. Nichtsdestoweniger sollten Sie, um Ihre konstante und starke individuelle Persönlichkeit nicht einzubüßen, die folgenden Schritte behutsam angehen:
Beispielsweise können Sie Ihren Vorgesetzten um konkrete Aufgaben bitten, falls dieser einige Schwächen beleuchtet oder bemängelt hat: „Sie hatten notiert, dass ich noch nicht besonders selbstständig arbeite. Dies betrachte ich auch als massives Defizit. Meinen Sie, Sie könnten mir eventuell im Gebiet Kundenbetreuung etwas mehr Freiraum und Verantwortung überlassen, damit ich mich hier ein bisschen weiterentwickeln kann?“ Auf diese Frage wird kein Vorgesetzter ein uneingeschränktes Nein entgegenbringen, denn ansonsten stellt er den Sinn seiner eigenen Bewertung infrage, indem er dem Mitarbeiter gar nicht die Gelegenheit schenkt, seine Schwäche zu bearbeiten.
Als Letztes müssen Sie die empfundenen Verhaltensweisen analysieren. Erwähnt werden im Fremdbild erfahrungsgemäß Attribute wie freundlich, zuvorkommend, engagiert und noch allgemeinere Floskeln. Gerade aus der Zusammensetzung dieser Eigenschaften können Sie aber auch einzelne konkrete Verhaltensweisen identifizieren, welche negativ und welche positiv bemerkt wurden. Dabei sollten Sie auch die Reihenfolge der notierten Stichpunkte beachten. Häufig lässt sich der Beurteilende von den bereits erwähnten Punkten stark inspirieren und führt sie in neuen, aber eigentlich untergeordneten Einzelheiten weiter aus.
Stärken muss man selbst kommunizieren
Ein Fremdbild deckt stets die Wahrnehmung einer Gruppe von Personen um Sie herum ab. Sind die beschriebenen Eigenschaften unzureichend oder falsch, sind Stärken nicht erkannt oder Präferenzen ungetreu aufgenommen, liegt dies erfahrungsgemäß nur an Ihrer eigenen Kommunikationsfähigkeit. Stärken und andere Fachkompetenz müssen Sie in der Regel konkret einbringen und kommunizieren, damit diese auch wahrgenommen werden. Schwächen sollten Sie möglichst ausweichen – zum Beispiel durch die Vermeidung bestimmter Arbeitsfelder. Mit der Interpretation des Fremdbildes wird sichtbar, wie Sie Ihre Kompetenz in den Alltag einbinden.
Leitbilder und Arbeitspläne entwickeln
Ein weiterer elementarer Punkt ist die Identifikation von zukünftigen Lernfeldern. Diese können Sie dann im Rahmen der Zielsetzung zu einem deutlichen Arbeitsplan weiterentwickeln (Kapitel 1.2.). Fachliche Schwächen und Stärken sind im Endeffekt nur entscheidend, solange sie von anderen Personen wahrgenommen werden. Die durch das Fremdbild kommunizierte Wahrnehmung ist damit das einträglichste Hilfsmittel, Lernfelder zu identifizieren, besonders wenn Sie sich zwar den Schwächen bewusst sind, aber nicht wissen, welchen Sie sich zuerst zuwenden sollen.
Als letzten Punkt können Sie die Kongruenz von Selbst- und Fremdwahrnehmung kontrollieren. Die spannende Frage ist, ob die eigenintendierte Positionierung mit der Wahrnehmung dieser einhergeht. Haben Sie beispielsweise versucht, entsprechend Ihres gewünschten Selbstbildes mehr Engagement zu zeigen, kann dieses schnell im Fremdbild als Ehrgeiz aufgenommen werden. Durch das Fremdbild können Sie nunmehr Ihre Verhaltungsweise anpassen bzw. optimieren.
Übung 1.4.
(A) Welche Wahrnehmungsarten gibt es und wie werden die zugehörigen Reize bezeichnet?

(B) Skizzieren und erläutern Sie jemandem das so genannte Johari-Fenster und seine Bedeutung für die Auseinandersetzung mit dem Thema Wahrnehmung und Wahrnehmungslücken.
Skizze:
(C) So weit Sie es noch nicht direkt beim Lesen des entsprechenden Abschnitts getan haben: Beginnen Sie jetzt damit, auf einem separaten Blatt ein persönliches Selbstbild zu erstellen. Bitten Sie im Anschluss einen Bekannten sowie einen Kollegen um ein Fremdbild und vergleichen Sie diese im Anschluss.Was haben Sie aus den Fremdbildern gelernt?

(D) Welche Persönlichkeitsmerkmale finden sich primär in Fremdbildern wieder, welche in der Regel nur in Selbstbildern?

2. Selbstentwicklung
Ausgehend von einer umfassenden Selbstbeobachtung, dem Blick auf Ihre Werte, Ihre Ziele, Ihre Persönlichkeit und Ihre Wahrnehmung, können Sie nun konkret an Ihrer Selbstentwicklung arbeiten. Denn vor aller Interaktion in der Gruppe stehen eine Reihe von Fähigkeiten, Methodenkompetenzen und Techniken, welche Sie sich zuvor selbst vermitteln und auch alleine trainieren können. Viele dieser Kompetenzen bilden die essenzielle Basis für ein erfolgreiches Interagieren mit Mitmenschen, für erfolgreiche Zusammenarbeit und für ein harmonisches, glückliches sowie produktives Miteinander.
Der volkstümliche Ausdruck „sich erst einmal an die eigene Nase fassen“ verdeutlicht, dass vor aller Fokussierung auf andere und auf ein erfolgreiches „Wir“ erst einmal die Selbstentwicklung steht und gezielt angegangen werden soll. Dazu dient dieses Kapitel.
Schnellübersicht: Was erwartet mich in diesem Kapitel?
1) Im ersten Abschnitt „Arbeitstechniken – Ihre Effizienz und Effektivität steigern“ lernen Sie die Grundlagen, Methoden und Techniken zu professionellem Zeitmanagement, Kreativitätstechniken, Lern- und Schnell-Lesetechniken, Gedächtnistraining, wirksames Mitschreiben sowie Informations- und Wissensmanagement.
2) Der zweite Abschnitt „Selbstdarstellung & Ausstrahlung“ bringt Sie fachkundig mit dem Thema Umgangsformen in Kontakt, vor allem mit Anstand, Höflichkeit, Knigge und Etikette. Sie lernen Grundmuster und Besonderheiten der Körpersprache, wie Haltung, Gang, Mimik und Gestik, kennen und setzen sich im Anschluss intensiv mit dem in der Kommunikation besonders wichtigen Thema Rhetorik auseinander. Hier erfahren Sie vom Dreieck der Rhetorik, verbaler, nonverbaler und paraverbaler Rhetorik sowie rhetorischen Stilfiguren. Der Bereich der nonverbalen Rhetorik stellt hier den Zusammenhang zum erworbenen Wissen im Bereich Körpersprache her. Sie erfahren, wie Sie professionell Präsentationen planen, vorbereiten, halten und auswerten. Neben grundsätzlichen Vorgehensweisen profitieren Sie hier von einer Vielzahl konkreter Tipps und Anregungen. Im Anschluss daran ziehen Sie Konsequenzen und erkennen Parallelen zwischen typischen Fachpräsentationen und Präsentationen Ihrer Selbst im Sinne der Selbstvermarktung auf dem Arbeitsmarkt.
3) Im dritten Abschnitt „Emotionale Intelligenz“ lesen Sie, was hinter dem berüchtigten EQ wirklich steckt. Sie erfahren, welche Rolle Selbstreflexion, Selbstkontrolle und Selbstmotivierung für Ihre konkrete Selbstentwicklung haben und wie Sie diese Elemente im Rahmen Ihres persönlichen Wachstumsprozesses tatsächlich nutzen.
4) Der vierte Abschnitt „Geistiges Wachstum“ legt Schwerpunkte auf Ihren intellektuellen Ausgleich und Ihre ganzheitliche Persönlichkeitsentwicklung durch Einbeziehung von Literatur, Philosophie, Musik, Kunst und Kultur. Konkreten Anregungen zum Arrangieren verschiedener Interessengebiete folgen praktische Tipps zu kostengünstiger und zeitsparender, effektiver und effizienter Weiterbildung. Letztlich rückt die Auseinandersetzung mit dem Thema „Spiritualität“ auch die Rolle von Religion, Meditation, Mystik und Glauben als Per-spektiven geistigen Wachstums und intellektuellen Ausgleichs in den Fokus.
5) Der fünfte und letzte Abschnitt „Regeneration & Freizeit“ macht letztlich klar, dass Selbstentwicklung auch einer nachhaltigen Gesundheit und optimaler Arbeits- und Lebensbedingungen bedarf. Betrachtungen zu Arbeitszeit, Arbeitsort und Arbeitsart bilden die Grundlage für präventive Stressbewältigung.Verschiedene Tipps zum Umgang mit auftretenden Stressphasen sollen Ihnen helfen, schnell die Balance zurückzufinden. Anregungen zu Fitness, Wellness sowie konkrete Tipps zu Ernährung und Sport schließen dieses Kapitel ab.
2.1. Arbeitstechniken – Ihre Effizienz und Effektivität steigern
Gründe für Arbeitstechniken
Ausschlaggebend für Ihren beruflichen Erfolg ist nicht nur, dass Sie gute Arbeitsergebnisse abliefern, sondern diese auch im Zuge einer immer dynamischer werdenden Arbeitswelt schnell erarbeiten. Die Effektivität Ihrer Arbeit misst sich daran, dass Sie die gewünschten Ergebnisse in der geforderten Qualität überhaupt erzielen. Ihre Arbeitseffizienz ist darüber hinaus ein quantitativer Ausdruck der für die Zielerreichung aufgewendeten Mittel. Hier handelt es sich neben dem Kostenaspekt (beispielsweise Materialeinsatz oder Schulungen) vor allem um die Zeitperspektive. Die Entwicklung eines effektiven Zeitmanagements hat daher höchste Priorität, um Ihre Arbeitseffizienz zu steigern. Sie bildet deswegen den ersten Teil und Schwerpunkt dieses Abschnitts. Es folgen Kreativitätstechniken, Lerntechniken sowie Schnell-Lesetechniken.
Zeitmanagement
Knappheit der Zeit
Stress, Unzufriedenheit, Rastlosigkeit, Gereiztheit, Erschöpfung, Hilflosigkeit oder Burn-out, dies alles sind Symptome der modernen Arbeitsgesellschaft. Es scheint paradox: Obwohl wir immer schneller reisen und kommunizieren können, immer mehr Dinge automatisiert, delegiert oder direkt nach Hause geliefert werden können, scheint die Zeit für viele Menschen immer knapper zu werden. Immer mehr Dinge sollen oder wollen geplant, erledigt oder unternommen werden. Ursache sind die beständig zunehmenden Möglichkeiten, seine Zeit zu verbringen, und die im harten Wettbewerb auf dem Arbeitsmarkt steigenden Anforderungen an jeden Arbeitnehmer. In diesem Umfeld alle Optionen wahrzunehmen, ist so gut wie unmöglich. Die richtige Zeiteinteilung ist deshalb eine wesentliche Voraussetzung für die persönliche Entfaltung, für erfolgreiches Arbeiten, Lernen und Leben, für weniger Stress und letztlich einen ausgewogenen und gesunden Lebensentwurf.
Typische Zeitfresser und Zeitfallen
Jeder hat 24 Stunden Zeit am Tag
In Ihrer fortschreitenden Karriere und mit der Übernahme zusätzlicher Lebensrollen scheinen Sie immer weniger Zeit zu haben. So trivial es klingt, sollten Sie sich jederzeit bewusst bleiben, dass für jeden Menschen der Tag 24 Stunden hat. Hilflose Aussagen wie „Ich habe keine Zeit“ sind so gesehen also falsch und zudem ein ungünstiger Ansatz. Eine richtige Herangehensweise besteht in der Einstellung „Dafür nehme ich mir keine Zeit“ oder „Andere Dinge haben eine höhere Priorität für mich als diese Angelegenheit“. Damit machen Sie sich und anderen klar, dass Sie sich sehr wohl Ihrer Zeitkapazitäten und deren Verwendung bewusst sind. Die Verwendung dieser Zeit kann dabei aus aktiver Entscheidung oder Fremdbestimmung heraus resultieren. Da Sie die Zahl der Stunden pro Tag schlecht anpassen können, gilt es also, erstens eine sinnvolle Priorisierung ihrer Aktivitäten vorzunehmen sowie zweitens mögliche Zeitfresser zu identifizieren und einzuschränken.
Es mag enttäuschend sein, aber Sie haben nicht zu wenig Zeit, sondern zu viele Aufgaben oder sich zu viel vorgenommen. Eine der wesentlichen Fähigkeiten im Rahmen des Zeitmanagements ist dabei so simpel wie effektiv: Sie müssen lernen „Nein“ zu sagen. Dieses „Nein“ zielt als Erstes auf typische Zeitfresser.
Kategorien von Zeitfressern
Die meisten Ursachen für Zeitineffizienzen lassen sich dabei in vier Kategorien unterteilen: Ihre persönliche Arbeitsweise oder Arbeitsmethodik, Störungen oder Ablenkung, persönliche Schwächen und schlechte Zusammenarbeit. Die Tabelle 4 nennt Beispiele aus der Arbeitswelt.
Tabelle 4: Typische Ursachen und Beispiele für ineffiziente Zeitnutzung
Ursache Beispiele Arbeitsmethodik Unklare Ziele Zu viel auf einmal tun zu wollen Mangelnde Ordnung und Überblick Zu viele Notizen, schlechtes Ablagesystem Störungen Unangemeldete Besucher Private Ablenkung Lärm Langwierige Besprechungen Eingehende Anrufe Persönliche Schwächen Unfähigkeit „Nein zu sagen“ Aufschieben von Aufgaben, mangelnde Selbstdisziplin Hast, Nervosität Unfähigkeit effektiver Prioritätensetzung Zusammenarbeit Mangelhafte Information und Kommunikation Zu wenig Delegation Wartezeiten (bei Terminen)Grundzüge erfolgreicher Zeiteinteilung
Fünf Schritte erfolgreichen Zeitmanagements
Es gibt verschiedene Zeitmanagement-Techniken, von denen die wichtigsten weiter unten erläutert werden. Grundsätzlich basiert jede Verbesserung Ihres Zeitmanagements aber auf fünf wesentlichen Schritten:
▪1. Ziele definieren
▪2. Aktivitäten, Aufgaben, Tätigkeiten auflisten
▪3. Prioritäten setzen
▪4. Langfristige Planung
▪5. Wochen- und Tagesorganisation
1. Ziele definieren
Zielorientierte Zeitplanung
Zeitmanagement besteht zu einem Großteil aus der Planung von Aktivitäten. Eine solche Planung setzt Kenntnis darüber voraus, wie lange eine Aktivität dauert, wann sie anfängt und wann sie endet. Diese Zeitorientierung erfordert wiederum Messbarkeit, das heißt, Sie müssen in der Lage sein festzustellen, wann das gewünschte Ergebnis erreicht bzw. die Aktivität abgeschlossen ist. Dies erfordert eine konkrete Zielformulierung, die im Idealfall die im Abschnitt „Ziele richtig definieren“ (Kapitel 1.2.) detailliert analysierten Merkmale Schriftlichkeit, Realismus, Terminierung, Messbarkeit, positive und aktive Formulierung, Verantwortungszuweisung und Visualisierung aufweist. Rekapitulieren Sie noch einmal, wie zuträglich die richtige Zielformulierung für eine erfolgreiche Zeiteinteilung und effektives wie effizientes Arbeiten ist. Insbesondere die Terminierung von Aktivitäten, also das Zeitziel, ist eine Grundvoraussetzung für erfolgreiches Zeitmanagement.








