Die Syntax-Pragmatik-Schnittstelle

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Das Subjekt steht immer im Nominativ. Der Kasus der Objekte ändert sich je nach vorkommendem Verb ((22b) Akkusativ, (22c) Genitiv, (22d) Dativ).
Man nimmt deshalb an, dass der Kasus eines Objekts vom Verb bestimmt wird, während das Subjekt seinen Kasus von den Finitheitsmerkmalen des finiten Verbs erhält. Für die Repräsentation eines Satzes nimmt man deshalb an, dass es oberhalb der VP eine IP (= Inflection PhraseInflection Phrase) gibt (vgl. (23)). Der Kopf dieser Phrase ist I0 und nimmt die VP als sein Komplement.

I0 beinhaltet kein lexikalisches Material, sondern die Merkmale für Person, Numerus, Tempus und Modus. Das Verb gelangt dieser Vorstellung nach als Verbstamm in die Struktur und erhält dort seine Finitheitsmerkmale, die in Form bestimmter Endungen realisiert werden. Das Verb muss sich von V0 zu I0 bewegen (wenn es finit ist), um diese Merkmale in I0 zu erhalten. Darüberhinaus weist I0 SpecIP den Nominativkasus zu, weshalb das Subjekt in genau dieser Position steht (vgl. (24)).

Oberhalb der IP setzt sich der funktionale Überbau fort. Innerhalb der finiten Sätze lässt sich ferner unterscheiden, ob es sich um selbständige oder unselbständige Sätze handelt (vgl. (25)).
(25) a. weil Maria den Hund füttert b. Maria füttert den Hund.Selbständige Sätze unterscheiden sich zudem darin, welcher Satztyp vorliegt. Es kann sich z.B. um einen DeklarativsatzDeklarativsatz (wie in (25b)) oder einen InterrogativsatzInterrogativsatz (vgl. den Entscheidungs(E)-InterrogativsatzEntscheidungs-Interrogativsatz in (26a) und den w-Interrogativsatzw-Interrogativsatz in (26b)) handeln.
(26) a. Füttert Maria den Hund? b. Wen füttert Maria?/Wer füttert den Hund?Die Phrase, die für diese Information zuständig ist, ist die CP (= Complementizer Phrase). Der Kopf dieser Phrase ist C0, ihr Komplement die IP. In einem unselbständigen Satz beinhaltet C0 die Konjunktion (vgl. (27)).

In einem selbständigen Satz (vgl. (28)) beinhaltet C0 das finite Verb, das sich von I0 weiterbewegt. In einem V1-SatzVerberst-Satz ist SpecCP leer, in einem V2-SatzVerbzweit-Satz beinhaltet SpecCP eine Konstituente, die aus ihrer Basisposition in diese Position vorangestellt wird.


Oben haben wir gesehen, dass die Finitheit in I0 verankert wird und in dieser Phrase die Nominativzuweisung an das Subjekt erfolgt bzw. die Kongruenz zwischen dem Subjekt und dem finiten Verb hergestellt wird. Innerhalb der CP wiederum entscheidet sich, ob ein selbständiger oder unselbständiger Satz vorliegt und um welchen Satztyp es sich handelt.
Man kann die Positionen des CP/IP-ModellsCP/IP-Modell auf die Felder des Topologischen FeldermodellsTopologisches Feldermodell beziehen. Das Vorfeld entspricht dabei SpecCP, die linke Satzklammer (LSK) wird C0 zugeordnet und die rechte Satzklammer (RSK) entspricht I0. Unter dieser Sicht werden keine weiteren Operationen benötigt, als die drei, die wir bereits kennengelernt haben. Lediglich die Finitumvoranstellung muss etwas erweitert werden. Die TopikalisierungTopikalisierung hat als Ziel SpecCP, bei der FinitumvoranstellungFinitumvoranstellung wird das Verb nicht nur von I0 nach C0 bewegt, sondern es wird von V0 über I0 zu C0 angehoben. Für unsere Darstellung vom Anfang würde dies bedeuten, dass das Verb zunächst unflektiert im MittelfeldMittelfeld steht und in die RSK bewegt wird, um flektiert zu werden, bevor es in die LSK vorangestellt wird.
Wenn I0 der RSK entspricht, fehlt in der Repräsentation in (28) noch das NachfeldNachfeld. Man hat hier angenommen, dass per AdjunktionAdjunktion an die IP eine Position erzeugt wird, in die extraponierte Konstituenten bewegt werden (vgl. (29)).

Ein weiteres funktionales Element ist der D-Kopf, der eine DP projiziert (vgl. Abney 1987, für eine Zusammenfassung vgl. Philippi & Tewes 2010: 115ff.). Wie I0 beinhaltet dieser Kopf grammatische Merkmale. Die für D relevanten Merkmale sind DefinitheitDefinitheit und SpezifizitätSpezifizität.

Spezifizität bezieht sich auf die Identifizierbarkeit eines Referenten, d.h. ob man sich mit der NP auf einen bestimmten Referenten bezieht. Unter der unspezifischen LesartUnspezifische Interpretation bedeutet der Satz in (31), dass der Dirigent irgendeine weibliche Person sucht, die Geige spielt. Unter der spezifischen LesartSpezifische Interpretation sucht der Dirigent eine bestimmte Geigerin.
(31) Der Dirigent sucht eine Geigerin.Syntaktisch nimmt man eine DeterminiererphraseDeterminiererphrase (DP) an. Im Englischen bezeichnet man Ausdrücke wie ArtikelArtikel (ein, der), PossessivPossessivpronomen- (sein) und DeterminativpronomenDeterminativpronomen (dieser) als determinerDeterminer. D0 ist der Kopf dieser Phrase, sein Komplement ist eine NP. Die Struktur sieht aus wie in (32).

Wir können eine Phrase wie der Mann nun als NP wie in (33) oder als DP wie in (34) analysieren.

SpecDP ist z.B. besetzt, wenn ein pränominaler Genitiv auftritt, wie in (35).

D0 kann auch leer bleiben. Dies ist beispielsweise bei Eigennamen der Fall (vgl. (36)).

1.1.3 Grundannahmen des Grammatikmodells
Das bis hierher entworfene Bild entspricht dem Modell der Rektions- und BindungstheorieRektions- und Bindungstheorie (Chomsky 1981), das als T-ModellT-Modell bezeichnet wird, weil es wie ein umgedrehtes T aussieht (vgl. (37)).

Dieser Vorstellung nach entstammen die Wörter, die Bestandteil eines Satzes sind, dem mentalen LexikonMentales Lexikon. Wörter weisen einen LexikoneintragLexikoneintrag auf, dem neben phonologischer und semantischer Information auch Informationen zur ValenzValenz, d.h. zur Argumentstruktur,Argumentstruktur zu entnehmen sind. Das heißt, von einem Verb wie kaufen wissen wir z.B., dass es zwei Argumente hat, eine NP im Nominativ und eine NP im Akkusativ. Ebenfalls wissen wir, dass die erste NP interpretatorisch ein Handelnder ist (AgensAgens) (anders als diese NP im Falle von erhalten (EmpfängerEmpfänger) (Peter erhält einen Brief.) oder profitieren (BenefizientBenefizient) (Peter profitiert von Marias Monatskarte für die Straßenbahn.)). Die NP im Akkusativ wird im Fall von kaufen als das, womit etwas gemacht wird, verstanden (ThemaThema) (im Gegensatz zur Akkusativ-NP bei benutzen (InstrumentInstrument) (Hans benutzte ein Messer.) oder erreichen (ZielZiel) (Hans erreichte das Ziel.)). Diese inhaltlichen Füllungen der Argumentstellen werden als thematische RollenThematische Rolle (θ-Rollen) bezeichnet. (38) zeigt einen Lexikoneintrag für den Verbstamm weck-.

Das Verb hat zwei Argumente im Nominativ und Akkusativ, fakultativ kann zusätzlich eine PP auftreten. Das erste Argument erhält die θ-Rolle Agens, d.h. es gibt einen Handelnden, das zweite Argument ,erleidet‘ sozusagen etwas (PatiensPatiens), indem er/sie geweckt wird. Fakultativ kann angegeben werden, aus welcher Domäne er/sie geweckt wird (Traum, Schlaf, Koma).

Man hat nun entlang der Positionen, in denen die bewegten Elemente zu stehen kommen, BewegungstypenBewegungstypen klassifiziert:
Ist die Zielposition eine Kopfposition, handelt es sich um KopfbewegungKopfbewegung. Dies trifft auf die Bewegung von V0 zu I0 (zu C0) zu, d.h. die Flexion und Voranstellung des finiten Verbs.
Ferner unterscheidet man A(rgument)-Argument-Bewegung und Non-A(rgument)(A')-BewegungNon-Argument-Bewegung. Eine A-Position ist eine Position, der eine θ-Rolle zugewiesen werden kann. Eine A'-Position ist entsprechend eine Position, der keine θ-Rolle zugewiesen werden kann. SpecCP ist somit eine A'-Position, weil in dieser Position kein Element basisgeneriert ist. Elemente können nur aus dem Mittelfeld dorthin vorangestellt werden (und haben dann ggf. schon ihre θ-Rolle). SpecIP (durch das Subjekt besetzt) und die Komplementposition von V0 sind A-Positionen.
Die TopikalisierungTopikalisierung bzw. w-Bewegungw-Bewegung sind demnach jeweils Fälle von A'-Bewegung. A-Bewegung, die uns in unserer Darstellung oben nicht begegnet ist, liegt beispielsweise vor, wenn ein Element in die SpecIP-Position bewegt wird (vgl. z.B. Philippi & Tewes 2010: Kapitel 6). Die A'-Bewegung tritt zudem in zwei zu unterscheidenden Varianten auf. Wenn sie innerhalb eines Satzes vorkommt (wie in (39)), spricht man von kurzer A'-BewegungKurze A'-Bewegung.
(39) a. Wen1 hat Maria t1 eingeladen? b. [Den Dirigenten]1 hat Maria t1 eingeladen.Sie kann aber auch über eine Nebensatzgrenze hinweg erfolgen, wie in (40). Man spricht dann von langer A'-BewegungLange A'-Bewegung.
(40) a. Wen1 meint Klara, dass Maria t1 eingeladen hat? b. [Den Dirigenten]1 meint Klara, dass Maria t1 eingeladen hat.Da die erzeugte Struktur auch interpretiert und produziert/wahrgenommen werden muss, muss das Grammatiksystem auch Repräsentationen erzeugen, die hierfür relevante Informationen bereitstellen. Dies sind die Ebenen der Phonetischen FormPhonetische Form (PF) und der Logischen FormLogische Form (LF). Zwischen der Oberflächenstruktur und der LF sowie zwischen der Oberflächenstruktur und der PF gibt es wiederum mögliche Umstellungen. Hierbei handelt es sich einerseits um Bewegung, die man nicht sieht. Man spricht von coverter BewegungCoverte Bewegung oder LF-BewegungLF-Bewegung. Andererseits kann Bewegung auch sichtbar sein, aber keinen interpretatorischen Effekt haben. Dann liegt eine stilistische UmstellungStilistische Bewegung vor. Man spricht auch von PF-BewegungPF-Bewegung.
w-Interrogativsätzew-Interrogativsatz sind ein Beispiel für Strukturen, bei denen sprachliche Ausdrücke an anderen Positionen interpretiert werden, als in denen sie sich auf der Oberflächenstruktur befinden. In (41) weist das erfragte Akkusativobjekt eine tiefere Basisposition auf. Im Falle der Antwort kann die erfragte Konstituente in dieser Position erscheinen.
(41) PF: Wen hat Peter getroffen? LF: Für welches x, x ist eine Person, gilt: Peter hat x getroffen.Im Deutschen entstehen derartige Fragen dadurch, dass eine w-Phrasew-Phrase an den linken Satzrand versetzt wird. Die Option, dass das w-Pronomen in der Basisposition verbleibt, besteht nicht. Dies ist nur unter deutlicher Akzentuierung des Pronomens in der Lesart einer Echo-FrageEcho-Frage möglich.
(42) Peter hat WEN getroffen?Es gibt allerdings Sprachen, in denen für eine derartige Frage die w-Phrase nicht an den linken Rand bewegt wird. Im japanischen Beispiel in (43) befindet sich der w-Ausdruck in seiner Basisposition.
(43) John-wa naze kubi-ni natta no? John-TOPIK warum wurde entlassen FRAGE ‚Warum wurde John entlassen?‘ (Jungen & Lohnstein 2007: 241)Die Paraphrasen der LF sind allerdings entscheidenderweise die gleichen, wie wenn ein w-Element bewegt worden ist (vgl. (44)).
(44) LF: Für welches x, x ist ein Grund, gilt: John wurde wegen x entlassen.Unabhängig der Oberflächenposition der w-Ausdrücke ist anzunehmen, dass sie sich auf der Ebene von LF an den linken Satzrand bewegt haben. Da sie sich erst nach der Erzeugung der Oberflächenstruktur dorthin bewegen, bleibt die Bewegung covertCoverte Bewegung. (45) und (46) illustrieren die stilistische BewegungStilistische Bewegung, die zwischen der Oberflächenstruktur und PF erfolgen kann.
(45) a. Maria kauft im Kaufhaus ein Kleid. b. Maria kauft t1 ein Kleid [im Kaufhaus]1. (46) a. weil Peter [das Haus zu bauen] versucht b. weil Peter t1 versucht, [das Haus zu bauen]1Die Bewegungen ins Nachfeld haben hier keinen interpretatorischen Effekt. Man sieht bzw. hört sie, aber sie bringen nicht verschiedene Interpretationen mit sich.

Der nächste Abschnitt unternimmt eine ähnliche Einführung relevanter Konzepte im Bereich der Informationsstruktur.
Aufgaben
1. Stellen Sie die folgenden Sätze (mit Bewegung) im Topologischen Feldermodell dar. Analysieren Sie auch die auftretenden Nebensätze separat.
(i) Melanie ist krank, weil sie bereits ihre Sommerjacke trug. (ii) Den vor dem Fernseher sitzenden Hans ärgert, dass er keine Karte für das Pokalspiel bekommen hat. (iii) Soll Klaus das Treppenhaus putzen?2. Stellen Sie die folgenden Phrasen mit der X'-Theorie dar.
(iv) den Fluss entlang (v) unter der Rheinbrücke wohnen (vi) traurig des Hundes gedenken (vii) das Brot mit gesunden Körnern (viii) des Sieges sicher3. Stellen Sie die folgenden Sätze im CP/IP-Schema dar.
(ix) Hannah leidet in Spanien an Bauchweh. (x) Wen trifft Paul im Schwimmbad? (xi) Klaus behauptet, dass der Chef die Sekretärin entlässt.







