Rosenmedizin. So sanft heilt die Königin der Blumen

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6. Albrecht Dürer

Die Edelrose hat herrliche, dicht gefüllte und pfirsich-orangefarbene Blüten. Weil diese so schwer sind, neigt sie ein wenig zum Überhängen. Aber das macht gerade einen Teil ihres Reizes aus. Die Pflanze wird etwa 90 Zentimeter groß, riecht fruchtig und braucht viel Wasser.
7. Red Eden

Eine ganz erstaunliche Kletterrose mit leuchtend roten Blüten, die auf eine wunderbare Art ein wenig altmodisch wirken. Sie ist eine der Rosen weltweit, die bezaubernd duften. Sie rankt sich gern an Gartenzäunen entlang oder an einer Pergola hoch, braucht volle Sonne und nur wenig Wasser. Sie blüht von Mai bis September.
8. Winchester Cathedral

Die englische Rose erinnert an die elisabethanische Zeit. Ihre prallen weißen Blüten sind gefüllt mit 80 bis 85 Blütenblättern, mit einem starken Duft, der an Honig und Mandeln erinnert. Sie ist krankheitsresistent sowie dankbar für Halbschatten. Die ersten Blüten brechen im Sommer auf und blühen dann bis in den Herbst.
9. Michelangelo-Rose

Ihre Farbe erinnert ein wenig an die bescheidene gelbe Butterblume. Jede Blüte enthält 40 bis 45 Blütenblätter und verströmt einen zitronigen Duft. Die Rose braucht Halbschatten und wenig Wasser. Sie wird rund 1,20 Meter groß und blüht von der Frühjahrsmitte bis Anfang Oktober.
10. Joseph’s Coat Rose

Die moderne Floribunda-Kletterrose blüht in Rot, Gold, Gelb und in Orange, sie bringt Betrachter mit einem ungewöhnlichen Farbspiel und einem extravaganten Duft zum Staunen. Sie ist absolut nicht anfällig für Krankheiten oder Parasiten, wächst gern an Spalieren und blüht den ganzen Sommer über.

EXTRA Die Rose als Symbol

Vom Feuer der Leidenschaft zum Symbol der Reinheit
Aphrodite, Göttin der Schönheit und Patronin der Liebe, wurde aus der Gischt des Meeres geboren, war nackt wie jedes Baby. Als sie sich ihrer Blöße bewusst wurde, versteckte sich die Schöne hinter einem Busch – einem Rosenstrauch mit weißen Blüten. Seit dieser antiken griechischen Sage steht die weiße Rose für die reine Liebe, für blühende Schönheit. Die lebensfrohe Göttin nahm es aber nicht ganz so genau mit der Treue. Einen ihrer Geliebten, den schönen Adonis, griff dann ein wilder Eber an. Er starb in ihren Armen – und die Tropfen seine Blutes färbten die Blüten des ihr geweihten Rosenstockes rot. Seitdem gilt die rote Rose als Sinnbild der Leidenschaft, für Kraft, Verlangen und Lust.
Und was bedeutet es, von einer Rose zu träumen? Sehen Frauen im Traum einen roten Rosenkranz, steht bald eine Hochzeit bevor. Pflückt sie rote Rosen, bekommt sie in Kürze einen Heiratsantrag. Und ein aufgeblühter Rosenstock bedeutet: Alle Wünsche gehen in Erfüllung.
Die christliche Kirche tat sich lang schwer mit der uralten Rosenverehrung. Zumal ihr Duft so betörend war, dass die Blumen schnell in die Nähe der »professionellen Liebe« gerieten. Noch vor rund 200 Jahren hießen Bordelle im süddeutschen Raum Rosenhäuser, und Prostituierte trugen den euphemistischen Namen »Rosengässlerin«. Die einfache, aber clevere Lösung der Kirchenväter war, den antiken Kult von Lust, Liebe und Leidenschaft umzuwandeln in etwas Reines, Erhabenes und Göttliches.
Mit dem Beginn der Marienverehrung im ersten Jahrhundert wurde die rote Rose umgedeutet zur Blume der Gottesmutter Maria. Sie stand nun für reine Sittlichkeit, jugendliche und ewige Unschuld. Die prächtigen Rosenfenster, unter denen Maria verehrt wurde, zierten die gotischen Kathedralen des Mittelalters. Die Rosenfenster lagen im Westen, ihnen gegenüber das Kreuz im Osten der Kirche. Ab 1208, wenn nicht schon früher, bekam die christliche Gebetsschnur den Namen »Rosarium«. Kirchenhistoriker vermuten, dass die 59 Perlen ursprünglich aneinandergereihte Rosenknospen waren.
In die Beichtstühle schnitzten die Tischler Rosen ein.
Was »unter der Rose« (lat.: sub rosa) gesprochen wurde, blieb geheim. In den Ratssälen schmückten deshalb oft Rosenverzierungen die Kammern und Säle. Hier konnte vertraulich gehandelt – und wohl auch geklüngelt – werden.

Als Wappenblume sehr beliebt
Die neu erfundene Rose setzte ihren mittelalterlichen Siegeszug auch auf den Wappen der Adelshäuser fort. Freund und Feind trugen Panzerrüstungen, waren bei herabgeklapptem Visier kaum zu unterscheiden. Deshalb mussten farbige, klare Kennzeichnungen her. Am besten sichtbar waren sie auf dem Schild. Da prangten Drachen, Löwen, Adler, Wildschweine und Bullen, aber auch Eichenblätter, Lilien und – natürlich – die Rose. Sie war eine der häufigsten und edelsten Wappenblumen, nicht nur für adlige Häuser wie die der Grafen Wolffskeel von Reichenberg (→ Bild), der Guttenbergs oder der Tudors (→ Seite 35), sondern auch für Stadtwappen, etwa in Rosenheim, Erkelenz oder Altenburg. Troubadoure besangen ihre Schönheit, den Siegern im Turnier winkte ein Rosenkranz.

Richtig pflanzen, lange genießen
So wachsen die Rosen prächtig an
Sonnig und luftig sollte es schon sein, aber nicht zu heiß. Das stresst die meisten Rosen, macht sie anfälliger für Krankheiten oder den Befall mit Schädlingen. Auch Pflanzplätze vor Südwänden, die Hitze stark reflektieren, sollten vermieden werden, ebenso vor Gartenwegen z. B. mit hellen Platten, die Wärme abstrahlen. Einige wenige Sorten, wie die Rambler-Rosen, mögen auch den Halbschatten. Der Boden sollte nicht zu sauer sein. Ist er lehmig oder tonig, lässt er sich mit grobem Sand oder Humus verbessern. Ist der Boden aber zu sandig, braucht er ein paar Schippen Muttererde oder Gesteinsmehl. Weil Rosen Tiefwurzler sind, sollte der Boden eine gute Wasserdurchlässigkeit aufweisen. Kleinere Beetrosen brauchen einen Abstand zueinander von 40 bis 60 Zentimetern, moderne Strauch und Kletterrosen finden einen bis eineinhalb Meter Abstand zum Nachbarn in Ordnung. Historische Rosen gehen eher auf Distanz – zwei Meter sollten es schon sein. Pflanzen Sie die Rosen nicht an Orte bzw. in Beete, die schon vorher längere Zeit von Rosen bewohnt waren. Geschieht dies doch, dann entwickeln sich die Rosen nur langsam, es kommt zur sogenannten Wuchsdepression.
Die beste Pflanzzeit ist der Oktober
Im späten Herbst können die neu gepflanzten Rosen noch Wurzeln ausbilden, ehe das Erdreich gefriert. Im Frühjahr darauf treiben sie kräftiger aus, sind gesünder und widerstandsfähiger, als wenn sie im April oder Mai gepflanzt werden. Vor dem Anpflanzen sollten die Rosen ein bis zwei Stunden gewässert werden. Das reicht in den meisten Fällen aus. Wird die Pflanze ohne Ballen geliefert, empfehlen viele Rosenzüchter eine Wässerungszeit von vier bis sechs Stunden. Niemals länger als 24 Stunden, weil es den Wurzeln sonst an Sauerstoff fehlt.
»Wer mit täppischer Hand nach einer Rose greift, darf sich nicht beklagen, dass ihn die Dornen verletzen.« Heinrich Heine (1797–1856)
Wurzeln und oberirdische Triebe
Vor dem Pflanzen und nach dem Wässern müssen nun mit einer scharfen Schere die Wurzeln und die oberirdischen Triebe zurückgeschnitten werden. Je schärfer die Schere ist, desto geringer die Gefahr von Quetschungen oder unsauberen Schnittflächen. Die Wurzeln werden etwa eine Handspanne (rund 25 Zentimeter) unter der Wurzelverzweigung abgeschnitten. Beschädigte Wurzelteile müssen entfernt werden. Die oberirdischen Triebe werden nur wenig gekappt. Schneiden Sie sie auf etwa 30 Zentimeter Länge zurück. Gute Gärtnereien oder Züchter erledigen alle diese Maßnahmen bereits vor dem Kauf, sodass der Kunde eine pflanzfertige Rose erhält.
Im Sommer braucht die Rose einen leichten Schnitt, um die Blühpausen zu verkürzen. Als Faustregel gilt: Drei Wochen vor der ersten Blüte bei jedem vierten Trieb, der Knospen trägt, die Blütenknospe sowie etwa drei bis vier Blätter zurückschneiden.
Der Boden des Pflanzplatzes
Er sollte mindestens zwei Spaten tief gelockert werden. Das erleichtert der Rose das Einwachsen. Ein optimales Pflanzloch ist etwa 30 mal 30 Zentimeter groß. Bei schweren Böden empfiehlt es sich, den Boden des Pflanzloches aufzureißen, damit das Wasser besser abfließen kann. Die zuerst ausgestochene oberste Humusschicht sollten Sie beim Graben beiseitelegen. Sie kommt nach dem Einsetzen der Rose als letzte Deckschicht wieder ganz oben drauf.
»Du bist ewig für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast. Du bist für deine Rose verantwortlich.« Antoine de Saint-Exupéry (1900–1944, aus: Der kleine Prinz)
Strauch-, Stamm- oder Kletterrosen
Diese Pflanzen ohne Ballen möglichst senkrecht in das Pflanzloch stellen, Erde einfüllen und leicht antreten. Die Veredlungsstelle sollte sich etwa fünf Zentimeter unterhalb der Bodenoberfläche befinden. Bei Stammrosen einen senkrechten Pflock in das Loch treiben, an den der Stamm angebunden wird. Nun muss die Pflanzstelle gründlich gewässert werden, um die Hohlräume im noch sehr lockeren Boden zu schließen. Nur so bekommen die Pflanzenwurzeln Kontakt zur umgebenden Erde. Sinkt die Rose beim Wässern etwas ein, ziehen Sie sie einfach wieder hoch. Danach die Erde etwa 15 Zentimeter hoch anhäufeln, um die Veredelungsstelle vor Frost zu schützen. Finger weg von Torf. Das Moorprodukt ist zu sauer und trocknet bei Dürre stark aus. Auch Dünger oder Pferdeäpfel haben auf den Rosen nichts zu suchen. Sie sorgen nämlich für träge, lustlose Wurzeln. Nur wenn die Nährstoffe in der Anwuchsphase knapp sind, sucht die Rose nach weiteren Nährstoffen und bildet dafür schöne, tiefe Wurzeln aus. Ab dem zweiten Lebensjahr im Garten sollten die prachtvollen Blumen im Februar oder März zusätzlich mit einem guten organischen Dünger versorgt werden.

Beim Wässern nie die Pflanze komplett übergießen …
Containerrosen mit Wurzelballen
Containerrosen können eigentlich das ganze Jahr über gepflanzt werden, sogar wenn sie blühen. Bei starker Hitze wachsen sie allerdings eher suboptimal an. Die Ballen sollten vor dem Einsetzen so lange unter Wasser getaucht werden, bis keine Blasen mehr herausblubbern. Das Pflanzloch sollte etwa doppelt so breit sein wie der Container und etwa 40 Zentimeter tief. Sitzt die Rose erst mal fest im Pflanzloch, muss dieses wieder mit der ausgehobenen Erde gefüllt und mit den Händen vorsichtig angedrückt werden. Achten Sie darauf, die Erde nicht zu stark zu verfestigen, sonst geht zu viel Luft für die Rose verloren. Gießen Sie die Containerrose in den nächsten Wochen ausreichend.

Vorsicht: Rosenkrankheiten
Früherkennung schützt vor Schäden
Rosen brauchen sehr viel Zuwendung und achtsame Pflege.
Die Rose ist eine Königin, keine Frage. Sie ist aber auch eine Diva, empfindlich, manchmal anstrengend, auf jeden Fall aber sehr angreifbar. Wer auf Nummer sicher gehen will, sucht sich für seinen Garten eine robuste Rosensorte aus. Solche Rosen tragen das ADR-Prädikat der Allgemeinen Deutschen Rosenneuheitenprüfung. Ansonsten hilft ein wachsames, prüfendes Auge. Vorbeugend sollten Sie darauf achten, dass der Boden nicht zu feucht ist und die Pflanzen hauptsächlich morgens gewässert werden. Wasser niemals direkt von oben auf die Blumen gießen, immer nur auf den Boden. Doch keine Angst, die meisten Rosenkrankheiten lassen sich leicht erkennen und gut behandeln – wenn Sie frühzeitig reagieren.
Pilzerkrankungen
»Echter Mehltau« (→ Bild oben) legt sich wie ein weißer mehliger Belag auf die Knospen, Blätter und Triebspitzen. Die Blätter rollen sich auch oft leicht ein, ähnlich wie ein Farn. »Rosenrost« verursacht gelb-orangene Flecken an der Oberseite der Blätter und Pusteln an der Blattunterseite. Diese sind erst orangefarben, färben sich später braunschwarz. Die Blätter können sogar abfallen. Besonders angriffslustig ist der »Sternrußtau«. Er bildet violett-schwarze sternförmige Flecken mit gefransten Rändern. Die Blätter verfärben sich gelblich und fallen ab.
Wenn Sie nicht weiterwissen, holen Sie sich Hilfe von Rosenexperten in Gärtnereien.
Das hilft
Befallene Blätter abpflücken, notfalls Triebspitzen zurückschneiden. Die üblichen Anti-Pilz-Mittel aus dem Gartengroßhandel sollten Sie besser nicht einsetzen, wenn Sie die Rose und ihre Blüte oder Früchte für Heilrezepte verwenden wollen. Versuchen Sie es lieber auf die sanfte Tour. Bei Mehltau etwa hat sich eine Mischung aus einem Teil Frischmilch (keine H-Milch) mit neun Teilen Wasser bewährt, mit der Sie die Pflanze zwei- bis dreimal die Woche bespritzen.
Die beiden anderen Pilzarten reagieren empfindlich auf eine Schachtelhalmbrühe. Etwa 20 bis 30 Gramm getrockneten oder 100 Gramm frischen Schachtelhalm in einem Liter Wasser über Nacht aufsetzen und am nächsten Morgen 30 Minuten kochen. Abkühlen lassen und anschließend im Verhältnis 1:5 mit Wasser verdünnen. Besprühen Sie die Pflanzen zwei Wochen lang täglich. Wer eine unempfindliche Nase hat, kann rechtzeitig vor der Rosensaison auch eine Knoblauchjauche zubereiten. Hierfür ein Pfund klein gehackten Knoblauch in zehn Liter weiches Regenwasser geben und 10 bis 15 Tage draußen gären lassen. Beim Spritzen gegen die Pilze das Ganze dann im Verhältnis 1:10 mit Wasser verdünnen.

Es gibt verschiedene natürliche Schädlingsbekämpfungsmittel, Chemie muss nicht sein.
Schluss mit Rosenschädlingen
Blattwespen hinterlassen immer unschöne Fressschäden. Der Rosentriebbohrer bohrt Löcher in die Triebe, die Larven der Rosenblattwespe scheinen die Oberfläche der Blätter zu rasieren. Am besten ist es, die befallenen Triebe abzuschneiden und alle Larven einzusammeln. Ein Spinnmilben-Befall zeigt sich durch gelbe Sprenkel an der Blattoberseite und Gespinste an der Unterseite. Blätter abschneiden oder die Tierchen mit starkem Wasserdruck abspritzen. Das hilft auch bei Blattläusen und der Rollblattwespe, die innen in den – natürlich eingerollten – Blättern sitzt. Oft macht es auch Sinn, Nützlinge wie Marienkäfer, Ohrenkneifer oder insektenfressende Vögel im Garten anzusiedeln. Als Hotel lieben sie z. B. einen Blumentopf mit etwas Holzwolle, morsche Äste oder einen Nistkasten. Bauanleitungen gibt es im Internet, fertige Unterkünfte kosten um die 60 Euro.
Auch in der Pflanzenwelt gilt der Grundsatz: Vorbeugen ist die halbe Heilung und die beste Medizin sowieso. So gehört das Schnittgut von kranken Pflanzen nie auf den Komposthaufen. Am besten ist es, es zu verbrennen oder mit dem Hausmüll zu entsorgen. Wer seine Königinnen ausgewogen mit Nährstoffen versorgt, steigert dadurch nicht nur ihre Pracht, sondern auch ihre Gesundheit und Widerstandsfähigkeit. Und am allerklügsten ist es, schon beim Kauf auf weitgehend resistente Rosensorten zu achten. Lassen Sie sich beraten!
BIOROSEN-ZÜCHTER
Unter den hier genannten Adressen finden Sie eine große Auswahl an wunderschönen Rosen, die in Bioqualität gezüchtet werden. Sehen Sie sich einfach mal um, und suchen Sie die Rose aus, die Ihnen ganz persönlich zusagt .
De Bierkreek, Rosenzweekerie
Hans Haage
www.bierkreek.nl/nl/contact
Rosen Schmid
Allgäuer Str. 15
87700 Memmingen
www.schmid-gartenpflanzen.de
Gärtnerei Dieter Haas
Obere Leberklinge 60
97877 Wertheim
www.bioland-gaertnerei-haas.de
Rosenschule Ruf
Zum Sauerbrunnen 35
61231 Bad Nauheim-Steinfurth
www.rosenschule.de


Traumhafte Rosengärten in Deutschland
Schnuppern, staunen, lernen, verlieben
Wilhelmshaven ist der klassische Fall für Liebe auf den zweiten Blick. Frische Nordseeluft, das Naturparadies Wattenmeer in allernächster Nähe, einen Öl- und einen Tiefseehafen für Containerriesen, Shanty-Chöre und Segelabenteuer, wirklich liebenswerte Einwohner. Alles perfekte Zutaten für einen prickelnden Urlaubsflirt. Aber Liebe? Die kommt erst nach einem Besuch des »Wilhelmshavener Rosariums« mit seinen 5000 Rosen aus über 500 Sorten auf. Es ist der einzige große Rosengarten im Nordwesten Deutschlands bis hin zur niederländischen Grenze. Noch jung, aber schon unglaublich spannend. Da gibt es z. B. vom Muttertag bis Oktober einen Rokoko- und einen Zengarten, eine Wildrosenschlucht und historische Rosen zu bewundern. Eintritt frei! Und für 250 Euro können verliebte Paare im Rosenpavillon heiraten und eine Hochzeitsrose pflanzen.
Nicht nur die Hafenstadt an der Nordseeküste verzaubert ihre Besucher mit einem rosigen Kunstwerk. Von Glücksburg an der deutsch-dänischen Grenze bis Zweibrücken in der Pfalz, von Dresden bis Dortmund gibt es mehr als 136 öffentliche oder private Rosengärten. Eine der größten Sammlungen englischer Rosen etwa zeigt das »Rosarium Glücksburg« mit seinem »seaside-garden«. Es liegt direkt unterhalb des weiß erstrahlenden Glücksburger Wasserschlosses. Ein Highlight ist eine Rosenallee mit 20 duftenden Rosenbögen hintereinander.
»Siehe, die Rosen im Garten Öffnen sich alle dem Licht Seele, meine Seele Zögere du nicht.« Matthias Claudius (1740–1815)
Ebenfalls in Schleswig-Holstein lohnt sich unbedingt ein Abstecher in die Rosenstadt Uetersen nordwestlich von Hamburg. Das Rosarium mit seinen rund 900 Sorten mit 30 000 Rosen steht auf sieben Hektar Grundfläche und ist ein Mittelpunkt der deutschen Rosenzucht. Rund 20 Millionen Pflanzen werden von Züchtern wie »Rosen Tantau« oder »W. Kordes’ Söhne« in dieser Region jährlich in alle Welt verschickt. Herzstück der Anlage ist die 400 Quadratmeter große romantische Hochzeitsinsel, die zwischen den beiden weißen Brücken liegt und von 400 Rosenpflanzen geschmückt wird. Seit 2012 können auch hier ganz offiziell Hochzeiten stattfinden.
Drei Gärten mit höchster Auszeichnung
Größer, schöner, noch spannender und berühmter ist das »Europa-Rosarium« Sangerhausen zwischen Harz und Kyffhäuser, das bereits 2003 von der World Federation of Rose Societies mit der internationalen Ehrung »Award of Garden Excellence« ausgezeichnet wurde. Mit über 8500 Rosenarten und -sorten, insgesamt 80 000 Sträucher auf 13 Hektar Fläche, gilt der Park als bedeutendster der Welt. Auch die größte Wildrosensammlung weltweit hat hier ihr Zuhause. Doch nicht nur die prächtige Schönheit der Rose wird hier präsentiert. In Sangerhausen wird auch wissenschaftlich geforscht. Und Rosenliebhaber können sich über die Sangerhausen-Datenbank über die wichtigsten Rosen auf unserem Globus informieren.
»Es ist wichtiger, dass sich jemand über eine Rosenblüte freut, als dass er ihre Wurzel unter das Mikroskop bringt.” Oscar Wilde (1854–1900)
Ebenso international geehrt wurde 2015 die Rosensammlung im Bergpark in Kassel-Wilhelmshöhe, die komplett ehrenamtlich geleitet wird. Einige der Gehölze auf der Roseninsel sind über 200 Jahre alt, die Anlage geht im Kern auf Parks im 17. Jahrhundert zurück. Als drittes deutsches Rosarium wurde 2003 der »Rosenneuheit engarten« auf dem Beutig in Baden-Baden mit dem »Award of Garden Excellence« geehrt. Hier findet auf 3000 Quadratmetern Fläche jedes Jahr der Wettbewerb um neue Rosenarten statt. Er gilt als einer der bedeutendsten in Europa. Eine internationale Jury vergibt dabei die höchste Rosenauszeichnung Deutschlands, die »Goldene Rose von Baden-Baden«. Aber hier zeigen sich auch rosenumrankte Lauben, Bogengänge mit Rosen und Beete voller Blumenpracht.
Zwischen Industrie und Dornröschenschloss
Romantischer geht‘s kaum: Mitten im verwunschenen Reinhardswald zwischen Kassel und Göttingen erhebt sich seit 1334 die trutzige Sababurg, die früher Zappenburg hieß und heute ein Hotel ist (→ Bild Seite 32). Nach dem Dreißigjährigen Krieg verfiel das Anwesen und gilt seitdem als das dornenumrankte Schloss, das die Gebrüder Grimm zu ihrem berühmten Märchen »Dornröschen« inspirierte. Die Sababurg soll von 1571 bis 1591 mit einer fünf Kilometer langen und drei Meter hohen Dornenhecke geschützt worden sein. Wahrscheinlich aber waren es keine Rosen, sondern pieksiger Weißdorn. Heute duftet ein kleiner, aber wirklich feiner Rosengarten an der Burg mit herrlichen alten Sorten.

Die Tudor-Rose Die Wappen-Rose des englischen Königshauses erinnert an das Ende der sogenannten Rosenkriege um das englische Königshaus im 15. Jahrhundert. Im Wappen wurde dabei die weiße Rose des Hauses York über die rote Rose des Hauses Lancaster gelegt. So entstand die Tudor-Rose.
Mehr als 100 000 Rosen in allen Farben, Formen und Düften blühen jedes Jahr im ältesten Rosendorf Deutschlands, in Bad Nauheim. Hier werden seit über 50 Jahren Rosen angebaut und jedes Jahr über zwei Millionen dieser Prachtblumen produziert. Im Dortmunder Westfalenpark liegt das »Deutsche Rosarium GRF« mit über 3000 Sorten und Arten. Reizvoll ist der Kontrast zwischen der Industriekulisse mit ihren Hochofenwerken im Hintergrund und Rosen, die mit Flamingos um das schönste Rosa wetteifern. Mitten in der Stadt Zweibrücken befindet sich ein Rosengarten – 45 000 Rosen in mehr als 1500 verschiedenen Arten und Sorten. Er wurde 1914 eingeweiht und im Zweiten Weltkrieg nahezu vollständig vernichtet. Heute zeigt sich wieder eine Rosenpracht, so weit das Auge blickt – 1500 Rosensorten, mehr als 800 Staudenarten und 500 Ziergehölz- und Baumarten begeistern die Besucher.
Rosen unter Denkmalschutz
An einer hochwasserfreien Uferpromenade entlang der Elbe entstand in den 30er-Jahren der »Rosengarten Dresden«. Zu sehen sind hier nicht nur ausgewählte Rosensorten aus dieser Zeit, sondern auch Beete mit Pflanzen, die in der DDR-Zeit gezüchtet wurden. Die 29 500 Quadratmeter mit ihren rund 120 Rosenarten und -sorten sind wirklich sehenswert und stehen heute unter Denkmalschutz.
Neben den prachtvollen Rosarien lohnt sich auch immer ein Blick in den nächsten Botanischen Garten oder beim Nachbarn über den Gartenzaun. In Stadtparks oder rund um historische Schlösser und Burganlagen finden sich Rosen ebenso wie in vielen Apotheker- oder Heilpflanzengärten in Kiel, Hamburg, Jena, Würzburg, Schwäbisch Gmünd, Eckwälden/Bad Boll, Schloss Türnich in Kerpen, dem Achillea-Garten in Freiburg oder dem Wiener Volksgarten. Auf der Insel Mainau im Bodensee findet sich ein Rosengarten, der mit dem Schiff oder über eine Brücke erreichbar ist! Aber auch in Klostergärten wie dem Andechser Klostergarten, dem Klostergarten Bronnbach, dem Kräutergarten von Kloster Lorsch oder dem Aromagarten Erlangen warten besondere Raritäten auf die Besucher – und ebenso ein guter Rat für die Pflege der Rosen.
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Buchtipp:
»Rosengärten in Deutschland«, Verein Deutscher Rosenfreunde Reinhard Witt, Naturnahe Rosen, Verlag Dr. Reinhard Witt



