Rosenmedizin. So sanft heilt die Königin der Blumen

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Der Rosengarten der Firma Primavera steht in voller Blüte.
Das PRIMAVERA Life Naturparadies
Im schönen Allgäu liegt auf 950 Metern über dem Meeresspiegel der höchstgelegene Rosengarten Deutschlands. Umgeben von 1000 Metern Wildrosenhecke zeigt das Areal über 600 verschiedene Rosenarten, darunter eine große Auswahl an Centifolien-, Damaszener- und Gallica-Rosen. Jedes Jahr findet zur Rosenblüte im Juni/Juli ein Rosenfest statt. Freitags gibt es Gartenführungen für Roseninteressierte, und zum Verweilen und Genießen ist der Garten immer geöffnet. Die Führungen durch den idyllischen Garten werden von Experten begleitet, zudem finden regelmäßig spannende und lehrreiche Seminare und hilfreiche Workshops statt. Wer etwas über Rosen, ihre wertvollen Inhaltsstoffe und besonders ihr Öl lernen möchte, ist hier am richtigen Platz. Und ein Duft- und Naturkosmetikshop mit hochwertigen Produkten sorgt für ein weiteres Aroma- und Wohlfühlerlebnis.

35 Millionen Jahre Rosen
Weltweit auf dem Siegeszug
Die Wälder wichen zurück, weite offene Graslandschaften breiteten sich aus. In der afrikanischen Savanne weidete vor rund 35 Millionen Jahren ein etwa 100 Kilo schwerer, pummeliger Grasfresser, groß wie ein Schaf – ein Vorfahre des heutigen Nilpferds. In Nordamerika galoppierte ein Pferd mit drei Hufzehen durch die Steppen, die Vorfahren von Wölfen, Bären und Menschenaffen streiften umher, auch frühe Nashörner, Hirsche, Kamele – und Säbelzahntiger. Und im tropisch-milden Erdzeitalter des Oligozän blühten auch die ersten Rosen und lockten mit ihrem betörenden Duft Insekten an.
»Wenn Zeus den Blumen eine Königin geben wollte, müsste die Rose diese Krone tragen.« Sappho, griechische Dichterin (etwa 600 v. Chr.)
Abdrücke ihrer Blätter und Blüten finden sich zum Beispiel im »Florissant Fossil Beds National Monument« des amerikanischen Bundesstaates Colorado – neben versteinerten Mammutbäumen und Libellen. Verschiedene Rosenfossilien sind aber auch in Deutschland entdeckt worden, das damals von weiten Sumpflandschaften bedeckt war. Ebenso finden wir sie auf dem Balkan, in Mexiko und Nordafrika. Südlich des Äquators sind dahingegen bisher noch keine Abdrücke der schönen Blumenkönigin ausgegraben worden.
Entstanden ist die Urform der Rose wahrscheinlich im Eozän vor 60 bis 70 Millionen Jahren, irgendwo in Zentralasien. Von dort aus breitete sie sich über die ganze nördliche Hemisphäre aus – und begann schon früh, die Menschen zu verzaubern. Aus der Ur-Rose entwickelten sich bis heute mehr als 200 verschiedene Arten mit mindestens 30 000 verschiedenen gezüchtete Sorten – wenn es nicht noch mehr Rosenköniginnen gibt.
Die Heckenrose war bei den Germanen der Fruchtbarkeitsgöttin Freya geweiht.
Bereits um 500 v. Chr. bewunderte der chinesische Philosoph Konfuzius (551–479 v. Chr.) die Rosen in den kaiserlichen Gärten der Verbotenen Stadt. Vor allem aber hob er hervor, dass die kaiserliche Bibliothek Hunderte Bücher und Schriftrollen über die prächtigste aller Pflanzen beherbergte. Die Gärtner der Han-Dynastie (207 v. Chr.–20 n. Chr.) waren – so berichten alte Chroniken – so besessen von der Schönheit der Blumen, dass ihre Rosengärten drohten, Ackerland zu verschlingen, das für den Anbau von Nahrungsmitteln dringend benötigt wurde. Der Kaiser persönlich musste eingreifen und anordnen, einen Teil der auswuchernden Gärten unterzupflügen. Archäologische Funde in keltischen und germanischen Dörfern beweisen, dass zumindest die Scheinfrüchte der Hundsrose, die Hagebutten, eine wichtige Rolle in der Ernährung spielten. Vermutlich wurden die Vitamin-C-reichen Früchte im Herbst gesammelt und für die langen, schweren Wintermonate getrocknet. Ähnlich wie wohl auch Schlehen und der Sanddorn garantierten sie so das Überleben in mageren Jahreszeiten. Waren ihre Kinder unruhig und schlaflos, legten die Germanen ihnen sogenannte Rosenäpfel unter das Kopfkissen. Das sind Äpfel mit Wucherungen, die durch die Gallwespe entstehen.
Die Blume der Liebe
Als Älteste aller Rosen gilt die Rosa gallica, deren Pracht iranische Dichter bereits im 12. Jahrhundert v. Chr. besangen. Dort gilt sie über 2000 Jahre auch als Blume der Liebe. Die Damaszener-Rose heißt »Gole Mohammadi«, weil ihr sanfter Duft an den Propheten Mohammed erinnern soll. Für den Islam ist die Rose ein heiliges Symbol, da sie aus einem Schweißtropfen Mohammeds entsprossen sein soll. Undenkbar also für Muslime, über Rosen zu gehen und ihre Blütenblätter beispielsweise bei einer Hochzeit zu zertreten. Der persischen Sprache verdankt die Rose auch ihren Familiennamen: Die Bezeichnung des edlen, dornigen Gewächses geht zurück auf das lateinische Wort rosa, das wiederum auf der griechischen Bezeichnung roson beruht. Roson aber leitet sich ab vom altiranischen Wurdi. Es bezeichnet nicht nur die Rose speziell, sondern bedeutet auch Blume im Allgemeinen. Die Rose als Mutter aller Blumen also.

Damaszener-Rose
Handelsware und Statussymbol
Rosen haben zwar einen hinreißenden Duft, aber nur wenig Öl. Aus drei Tonnen Blüten wird durch Dampfdestillation gerade mal ein Liter Rosenöl gewonnen. Für einen einzigen Tropfen müssen rund 500 Rosenblüten handgepflückt werden. Entsprechend teuer ist es auch. Heute kostet ein Kilo echtes bulgarisches Rosenöl im Großhandel über 5000 Euro. Früher wurde es buchstäblich mit Gold aufgewogen, der Handel mit dem Luxusartikel florierte.
Phönizier, Griechen und Römer begannen, Rosen zu züchten und mit dem flüssigen Gold zu handeln. Vom Zentrum der Rosenöl-Produktion im Iran verbreitete sich die Pflanze über den ganzen Mittelmeerraum. Der griechische Wissenschaftler und Schriftsteller Theophrastus von Eresos (372–288 v. Chr.) katalogisierte die Blumen als Erster, lieferte detaillierte botanische Beschreibungen und schwärmte von den Pflanzen, die mal fünf Blütenblätter, mal einige Hundert haben.
Alexander der Große (356–323 v. Chr.) züchtete Rosen und soll sie nach Ägypten gebracht haben. Als der berühmte britische Archäologe Sir Flinders Petrie (1853–1942) 1888 Gräber in Oberägypten aushob, fand er einen Begräbniskranz aus dem zweitem Jahrhundert v. Chr. – voller Rosen. Der asketische Exzentriker, der jeden Morgen bei Sonnenaufgang zu arbeiten begann und seine Grabungsmannschaft mit Trillerpfeifen-Lärm weckte, identifizierte sie als Rosa x richardii, eine Kreuzung aus der Rosa gallica und der Rosa phoenicia, die als »Heilige Rose Abessiniens« bekannt ist. Was Sir Flinders und seine Frau Herta verblüffte: Die Blütenblätter waren zwar verschrumpelt, hatten aber immer noch ihre zartrosa Farbe behalten. Und als der Wissenschaftler sie in Wasser legte, schienen sie wieder aufzuleben.
Archäologen entdeckten Zeichnungen von Rosen an den Wänden der Grabkammer von Pharao Thutmosis IV., der im 14. Jahrhundert v. Chr. starb. Rosenwellness und edle Deko
Auf der anderen Seite des Mittelmeers, im alten Rom, war es der Stolz eines jeden Patriziers, einen kostbaren Rosengarten zu besitzen. Für reiche Römerinnen und Römer gab es nichts Schöneres, als in einem dieser Gärten zu wandeln, die herrlichen Blumen zu betrachten und ihren Duft als Aphrodisiakum einzuatmen. Sogar das Wasser der öffentlichen Badeanstalten parfümierten sie mit Rosenwasser – der Beginn von Wellness und die Weiterführung der Aromatherapie. Denn allein schon der sanfte Geruch entspannt beim Einatmen.
Lieber Rosen als Obst oder Weizen
Beim römischen Festmahl schmückten Teppiche aus Rosen die Wege zu den reich gedeckten Tafeln, den Wein in den Kelchen verzierten schwimmende Rosenblütenblätter. Bei der legendären Festivität »Sub rosa«, die Kaiser Nero (37– 68 n. Chr.) im Goldenen Palast auf dem Palatin feierte, rieselten Hunderttausende Rosenblütenblätter und sogar Rosenöl herab. Es flossen Ströme von Wein, der nach Rosen duftete, alle Festgäste badeten in teurem Rosenwasser. Auch am Morgen nach dem großen Fest nutzten die praktisch denkenden Römer die Heilkraft der Rosen. Sie versuchten, den wegen des Katers dröhnenden Kopf mit einem Kranz aus gekühlten Rosen wieder klar zu bekommen. Mit diesem Ansatz waren sie durchaus auf der medizinisch richtigen Fährte. Rosen waren aber auch als Auszeichnung für militärische Großtaten begehrt – man denke an den Rosenkranz.
In modernen Wohlfühltempeln wird die wohltuende Wirkung der Rose auf das Nervensystem noch heute bei Massagen und Bädern eingesetzt. Rosenblätter sind ein beliebter Zusatz in Entspannungsbädern;
für die seelische Balance wird Rosenöl verräuchert.
Zurück über das Mare nostrum an die Küste Afrikas: Kleopatra (69–30 v. Chr.), die ägyptische Königin, badete nicht nur wohlig in Rosenmilch, sie nutzte die Rose vor allem als Zeichen der Liebe. Die schöne Frau auf dem Pharaonenthron begrüßte den römischen Feldherrn Marcus
Antonius (86–30 v. Chr.) in einem Zimmer, dessen Fußboden so hoch mit Rosenblütenblättern bedeckt war, dass er knietief darin versank.
Als Rom und das weströmische Reich im Jahr 476 untergingen, gab es in der Ewigen Stadt mehr als 2000 öffentliche Rosengärten, belegen historische Unterlagen. Der Dichter und Satiriker Horaz (65 v. Chr.–8 v. Chr.) hatte schon zuvor eindringlich darüber geklagt, dass überall dort Rosen wüchsen, wo eigentlich Obstgärten und Weizenfelder gedeihen sollten.
Eine Heilpflanze seit Anbeginn
Doch so wunderschön und faszinierend die Rose auch ist: Die Menschen interessierten sich schon früh nicht nur für ihre »äußeren Werte«, sondern auch für ihre medizinische Heilkraft. Der legendäre Yan-Kaiser Shen Nong (»Göttlicher Bauer«, um 2800 v. Chr.) beschrieb in seinem Arzneimittelbuch Shen Nong Ben Cao Jing 365 Pflanzen wie etwa chinesischen Zimt, Ingwer, Rhabarber oder Ginseng – aber auch die Früchte der Jin Ying Zi-Rose, die heute als Cherokee-Rose bekannt ist. Diese Wildrosenart aus Zentralchina (Rosae laevigatae fructus) gelangte bereits im 17. Jahrhundert nach Nordamerika. Dort breitete sie sich schnell aus.
Der französische Botaniker und Forschungsreisende André Michaux (1746–1802) verlieh ihr dann in seiner »Flora boreali americana« den indianischen Namen Cherokee-Rose: Er hielt sie irrtümlich für eine heimische amerikanische Pflanze.

EXTRA Segeln unter falscher Flagge

Pfingstrosen ähneln mit ihren prächtigen Blüten zwar Rosen. Doch die Päonien gehören zu den Hahnenfuß-Gewächsen. Die Blume, die auch als Bauernrose bekannt ist, gibt es in 32 verschiedenen Sorten.
Christrosen, die auch als Schneerosen oder Weihnachtsrosen bekannt sind, gehören zu den Nieswurzen.
Zistrosen bilden eine eigene Gattung, die Zistrosen-Gewächse (Cistaceae), und haben eine starke Heilwirkung z. B. gegen Erkältung.
Die Rose von Jericho (→ Foto), eine Wüstenpflanze, gehört zu den Kreuzblütlern und bildet im Winter eine Rosette mit kleinen weißen Blüten aus. In der Trockenzeit rollt sie sich zu einer apfelgroßen Kugel zusammen und überlebt sehr lange ohne Wasser. Bei Regen erblüht sie.
Christrose, Pfingstrose, Zistrose – klingt alles sehr nach Rose, sie alle sind aber Mogelpackungen.
Keine Rose ohne Dornen … sagt zwar das alte Sprichwort. Doch der Botaniker gruselt sich: Rosen haben Stacheln, keine Dornen. Der feine Unterschied: Dornen wie bei Kakteen sind umgewandelte Blätter. Stacheln dagegen sind Auswüchse der obersten Zellschicht von Sprossen oder Blättern. Beide aber piksen. Der kleine Botanicus würde sicher auch darauf hinweisen, dass die Rose keine Blume ist, sondern ein Gehölz. Stimmt. Aber für jeden, der sie sieht und bewundert, bleibt sie dennoch die schönste Blume des Planeten.
Und was ist mit der berühmten Gedichtzeile »Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose« von Gertrude Stein (1874 – 1946)? Es geht nicht um eine Blume, sondern um ein kleines Mädchen namens Rose, das sich darüber wundert, dass sich alles dreht: Mond, Sonne, Erde, immer rundherum. Und so schnitzt sie ihren Namen in einen Baum: »… aber rundum werde ich Rose ist eine Rose ist eine Rose ist eine Rose einschnitzen …«
Zuerst tauchen die Zeilen 1913 in dem Gedicht »Sacred Emily« auf. Berühmt wurden sie aber in einer Kindergeschichte, die Gertrude Stein 1939 veröffentlichte.
EIN MITTELALTERLICHES RÄTSEL: WAS IST DAS?
Fünf Brüder sind zur gleichen Zeit geboren,doch zweien nur erwuchs ein voller Bart,zwei anderen blieb die Wange unbehaart,dem fünften ist der Bart zur Hälfte abgeschoren.
Antwort: die Rose. So ganz stimmt es nicht, aber die Beobachtungen sind schon recht genau. Die fünf Brüder, die Kelchblätter der Rose, sind nicht zur gleichen Zeit geboren, sondern sie bildeten sich, wie auch die Laubblätter, der Reihenfolge nach Dem ersten und dem zweiten Blatt erwächst auf beiden Seiten eine ausgeprägte Fiederung. Das dritte ist nur an einer Seite gefiedert, weil die andere Seite, als die Knospe noch geschlossen war, vom ersten Blatt überlappt wurde. Das vierte und das fünfte Blatt wurden jeweils von ihren vorhergehenden Blättern überlappt Sie haben deshalb kahle Ränder.

Die Hundsrose, allgemein unter Hagebutte bekannt, ziert viele Gärten und Wege.
»Rosenwasser und Fledermausflügel«
Der römische Gelehrte Plinius der Ältere (23 /24–79 n. Chr.), der bei dem größten Vesuv-Ausbruch aller Zeiten starb, empfahl in seinem Naturkunde-Werk »Naturalis historia« die Rose als Heilmittel bei mehr als 32 Krankheiten. So riet er Männern mit Haarproblemen, die Rosengalle der Hundsrose Rosa canina gegen ihre Kahlköpfigkeit zu benützen. Schwerer zu ertragen war sein zweiter Tipp: Eine Tinktur aus Fledermausflügeln, gekocht in Rosenwasser, sollte helfen. Die Heilkundigen der Antike glaubten, fälschlicherweise, mit einem Therapeutikum aus den Wurzeln der Pflanze die Tollwut, ausgelöst durch Hundebisse, behandeln zu können. Ganz am Rande: Der botanische Beiname canina weist nicht auf den Hund hin, sondern sagt, dass die Pflanze »hundsgemein« ist, also überall wächst. Möglicherweise als Arznei brachten dann römische Soldaten Rosen in ihrem Marschgepäck über die Alpen und nach Großbritannien.
Karl der Große – Vater des Rosenanbaus
Nach dem Untergang des Weströmischen Reiches geriet die Rose weitgehend in Vergessenheit. Sie fiel Jahrhunderte in einen Dornröschen-Schlaf. Erst Kaiser Karl der Große (768–814) holte sie wieder aus der Versenkung. In seiner Landgüterverordnung »Capitulare de villis vel curtis imperii« legt er im Jahr 812 fest: In jedem seiner Güter sollen etwa 80 Nutzpflanzen und Heilkräuter, dazu knapp 20 Obstbäume angebaut und gepflegt werden. Auf der Pflanzenliste standen auch »Rosas«, also Rosen. Gemeint damit war die einheimische Wildrose Rosa canina, die als Hundsrose überall in Mittel und Nordeuropa blühte und Hagebutten austrieb. Bei Kindern sind die haarigen Kerne, die wahren Früchte, bis heute als Juckpulver beliebt. Karl der Große dürfte eher an das leckere Fleisch der Schalen gedacht haben. Durchaus eigensüchtig, denn er hatte als Kaiser keinen festen Wohnsitz und zog mit seinen Truppen, seinen Beratern, Köchen, Priestern, Küchenhilfen und Astrologen von einer burgartigen Palastanlage zur anderen. Und brauchte überall etwas zu essen – aber auch Medizin. Das Wissen darum, dass die süßsäuerlichen Hagebutten vor Mangelkrankheiten wie Skorbut schützten, war unter den Heilern der damaligen Zeit sicherlich weitverbreitet.
Karl dem Großen ist die Rosensorte »Charlemagne« gewidmet.
»Sammle sie bei Tagesanbruch …«
Die Rose wurde jetzt nicht nur in den kaiserlichen Parks, sondern auch in Klostergärten intensiv angebaut. Und Kreuzritter brachten ab 1100 von ihren Raubzügen ins Heilige Land neue, spannende Rosensorten mit ungewohnten Farben aus dem Orient nach Europa. Als der arabische Feldherr und Stratege Salah ad-Din Yusuf ibn Ayyub ad-Dawini, der spätere Sultan Saladin, die Stadt Jerusalem im Jahre 1187 zurückeroberte, ließ er, laut Überlieferung, auf 500 Kamelen Rosenwasser herbeischaffen und die Wände und Säulen der Moschee sowie den Fels, auf dem sie stand, damit waschen. Die Universalgelehrte, Dichterin und Benediktiner-Nonne Hildegard von Bingen (1098 –1179) hielt zwar im Gegensatz zu heutigen Erkenntnissen nicht viel vom Olivenöl, dafür umso mehr von der Heilkraft der Rosen. Sie empfahl sie zur Magenstärkung, gegen Fieber, Husten, Blutspeien und Scharbock (Skorbut), bei Hautentzündungen, Ekzemen sowie gereizten und überanstrengten Augen. »Sammle die Rosenblätter bei Tagesanbruch, und lege sie über die Augen, sie machen dieselben klar und ziehen das ›Triefen‹ heraus«, riet die fromme Frau. Die heiliggesprochene Äbtissin wusste aber auch den besänftigenden Rosenduft als Therapiemittel gegen seelische Befindlichkeitsstörungen zu schätzen: »… und wer jähzornig ist, der nehme die Rose und weniger Salbei und zerreibe es zu Pulver. Und in jener Stunde, wenn ihm der Zorn aufsteigt, halte es an seine Nase. Denn der Salbei tröstet, die Rose erfreut … «
»Was ist ein Name? Was uns Rose heißt, wie es auch hieße, würde lieblich duften.« William Shakespeare (1564–1616, aus: Romeo und Julia)
Der neue Grundpfeiler der Heilkunde
In der Festungsstadt Provins, rund 80 Kilometer südöstlich von Paris, wurde die Rosa gallica officinalis, die rote Apotheker- oder Essig-Rose, auf weiten Flächen systematisch angebaut. Sie galt als bestes Heilmittel gegen Schlafstörungen und seelisches Leid. Noch heute sind in der Rosarie von Provins mehr als 300 alte und neue Rosenarten in einem 3,5 Hektar großen Garten zu bewundern. Damit geplagte Frauen und Männer nachts zur Ruhe kommen, rieten die Heiler um 1500 dazu, ein paar erwärmte Rosenblütenblätter auf die Stirn oder Rosengallen unter das Kopfkissen zu legen. Schwangere Frauen sollten einen Monat vor der Niederkunft ein Rosensitzbad nehmen, damit sich die Gebärmutter öffne. Zusätzlich auch noch den Leib mit Rosenöl einreiben und getrocknete Rosenblütenblätter ins Feuer geben. Moderne Hebammen wissen um die alten Erkenntnisse. Sie verdampfen immer öfter das Öl der Rose in einer Duftlampe und beruhigen so die Gebärenden, und ganz nebenbei wirkt der Duft auch hypernervösen werdenden Vätern direkt aufs Gemüt.

Die Essig-Rose, Rosa gallica, wurde zu Heilzwecken gezüchtet.
Als Columbus Amerika entdeckte (genauer: die Karibikinsel San Salvador), bildeten Rosen bereits einen Grundpfeiler der Heilkunde. Sie waren fester Bestandteil aller Kräuterbücher von frühen Botanikern wie Otto Brunfels (1488–1534), Hieronymus Bock (1498–1554) und Leonhart Fuchs (1501–1566). Bocks »News Kreütterbuch« von 1539 nannte sogar erste ausführliche Angaben zur Heilwirkung der Rose. Um 1550 sagte der englische Astrologe und Naturforscher Anthony Ascham (vor 1540 geboren, Todeszeitpunkt unbekannt), der in Cambridge studiert hat, in seiner Kräuterkunde »A Little Herbal«: »Der Duft von getrockneten Rosen tröstet den Verstand und das Herz und vertreibt böse Geister.« Der englische Arzt und Astrologe Nicholas Culpeper (1616–1654) wusste um die Wirksamkeit der Rose bei Blutungen, Kopf- und Zahnschmerzen. Dann wurde es wieder lange Zeit still um das schönste Heilmittel der Welt.
Die meisten verkauften Schnittrosen, etwa 84 Prozent, stammen aus EU-Ländern. Bei den Importen aus Afrika, vor allem aus Kenia, erobern zunehmend die Rosen mit Fair-Trade-Siegel den Markt. Bereits 25 Prozent der Blumenköniginnen kommen aus »fairer« Produktion – 365 Millionen Stück im Jahr 2015. Tendenz steigend -um jährlich rund sechs Prozent.
Rosenrenaissance Ende des 19. Jahrhunderts
Ein neues Wissenschaftsverständnis, der Wunsch, Heilkräfte der Natur bis ins letzte Molekül zu erforschen, brachte die Rosenmedizin wieder zurück ins Bewusstsein. Welche enormen Wirkungen ätherische Öle haben können, bewiesen 1887 bis 1889 französische Wissenschaftler. Sie erbrachten den Nachweis, dass ätherisches Thymianöl Kolibakterien, Staphylokokken oder sogar Meningokokken zerstören kann. Wissenschaftler entdeckten auch, dass Rosenöle im Limbischen System den Thalamus anregen, mehr körpereigene Opiate zu produzieren: Neurotransmitter, die gute Laune und das Wohlbefinden fördern. Als Mittel, das seelische Zustände wie Antriebslosigkeit, Apathie oder Niedergeschlagenheit beheben und austarieren kann, empfahl der britische Arzt Edward Bach (1886–1936) die Hundsrose (»Wild Rose«) in der von ihm entwickelten Bachblütentherapie. Vielleicht ahnte Bach, der eigentlich Schulmediziner war, bereits, welches Heilpotenzial in der Pflanze steckt.

Öle aus Kräutern: schmackhaft, wohltuend und schön anzusehen.
So sind im natürlichen Rosenöl bisher insgesamt circa 230 Molekülarten gefunden worden. Welche Vorteile die wunderschönen Blumen uns in der Zukunft noch bringen werden, liegt größtenteils noch in der Forschungs-Pipeline. In den 30er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts entdeckte der amerikanische Nobelpreisträger Linus Pauling (1901–1994) die Wirkung von Vitamin C auf das Immunsystem – und die Hagebutte, prall gefüllt mit dem ImmunVitalstoff, erlebte ihr Comeback als Heilmittel. Bis heute entdecken Pharmakologen auf der Jagd nach neuen Heilsubstanzen immer mehr vielversprechende Inhaltsstoffe. Aktuell wird beispielsweise auch getestet, ob Rosenwirkstoffe Schutz gegen HIV bieten können. Es sieht gut aus …

Rosen als Heilpflanzen
Die wichtigsten Medizinrosen, ihre stärkende Wirkung auf Herz, Gelenke und mehr sowie verblüffende neue Forschungsergebnisse.

Enthüllung heilender Geheimnisse
Auf dem Weg zur Phytotherapie
Auf den Schlachtfeldern Mitteleuropas war der französische Barbier-Chirurg Ambroise Paré (1510–1590) der wohl berühmteste Militärarzt, ein großer Erneuerer. Der hagere Mann mit einem nach heutigem Verständnis coolen Hipster-Bart beobachtete zum Beispiel, dass die Wunden von Patienten schneller heilten, wenn er kleine Fliegenmaden hineingab und die Wunde abdeckte. Er gilt seitdem als Begründer der modernen Madentherapie, die Mitte der 90er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts wieder auflebte. Vor allem aber grübelte der spätere Hofchirurg von Karl IX. Nächte um Nächte über die grausamen Amputationen nach, die damals durch den Einsatz der neuartigen Feuerwaffen notwendig waren. Die Feldscher verödeten die Wunden, die seinerzeit als vergiftet galten, mit Gluteisen oder gossen siedendes Öl hinein. Viele starben an der Prozedur.
Schließlich ersetzte Paré das heiße Öl durch ein besser verträgliches Gemisch aus Eigelb, Terpentin und Rosenöl. Das macht ihn zu einem Wegbereiter der modernen Phytotherapie. Der Feldarzt wusste bereits, dass Rosenblüten blutstillende Eigenschaften aufweisen.



