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Inhaltsverzeichnis
201 72 Das Greisenalter hat aber keine bestimmte Gränze, und man lebt in demselben gut, so lange man seine Berufspflicht erfüllen und behaupten kann 202. Daher kommt es, daß das Greisenalter sogar beherzter und muthvoller ist als die Jugend. Hieraus läßt sich jene Antwort erklären, die Solon dem Machthaber Pisistratus 203 gab. Als nämlich dieser ihn fragte, auf welche Hoffnung er ein so großes Vertrauen setze, daß er so kühnen Widerstand leiste, soll er geantwortet haben: »Auf mein Alter.«
[73] Aber das ist das beste Lebensende, wenn bei ungeschwächter Geisteskraft und gesunden Sinnen die Natur selbst das Werk, das sie zusammengefügt hat, auch wieder auflöst. Sowie ein Schiff, sowie ein Gebäude eben der am Leichtesten niederreißt, der es gebaut hat; ebenso löst auch den Menschen die Natur, die ihn zusammengefügt hat, am Besten wieder auf. Nun läßt sich aber jede noch frische Zusammenfügung nur mit Mühe, eine altgewordene hingegen mit Leichtigkeit auseinanderreißen. Hieraus folgt, daß Greise jenen kurzen Ueberrest des Lebens weder begierig suchen noch ohne Grund aufgeben dürfen. Daher verbietet Pythagoras 204 ohne Geheiß des Heerführers, das heißt Gottes, von dem Wachtposten des Lebens abzutreten. Von dem weisen Solon gibt es freilich eine Grabschrift, in der er erklärt, er wünsche nicht, daß sein Tod des Schmerzes und der Klagen seiner Freunde entbehre 205
Μηδέ μοι άκλαυστος θάνατος μόλοι, αλλὰ φίλοισι
Καλλείποιμι θανὼν άλγεα καὶ στοναχάς.
Cicero hat dasselbe Tuscul. I. 49, 117 so übersetzt:
Mors mea ne careat lacrimis; linquamus amicis
Moerorem, ut celebrent funera cum gemitu.
Nemo me lacrumis decoret nec funera fletu
Fexit. Cur? Volito vivus per ora virum.
Niemand möge mit Thränen mich ehren noch klagend bestatten!
Er urtheilt, der Tod sei nicht zu betrauern, auf den die Unsterblichkeit folge.
74. Nun kann beim Sterben wol einige Empfindung stattfinden, doch nur auf kurze Zeit, zumal bei einem Greise. Nach dem Tode aber ist die Empfindung wünschenswerth, oder es ist keine vorhanden. Aber man muß sich von Jugend auf durch Nachdenken darauf vorbereiten, daß man sich um den Tod nicht kümmere. Denn ohne diese Vorbereitung kann Niemand ruhigen Gemüthes sein. Sterben muß man ja gewiß; nur das ist ungewiß, ob nicht noch an demselben Tage. Wer nun den zu allen Stunden bevorstehenden Tod fürchtet, wie kann der eine feste Stimmung behaupten?
75. Hierüber scheint mir nicht eben eine lange Erörterung nöthig zu sein, wenn ich mir vergegenwärtige, nicht etwa den Lucius Brutus 206, der bei der Befreiung des Vaterlandes getödtet wurde; nicht die beiden Decier 207, die zum freiwilligen Tode ihre Rosse anspornten; nicht den Marcus Atilius 208, der zur Todtenmarter abreiste, um sein dem Feinde gegebenes Wort zu erfüllen; nicht die beiden Scipionen 209, die den Puniern sogar mit ihren Leibern den Weg versperren wollten; nicht deinen Großvater Lucius Paullus 210, der die Verwegenheit seines Amtsgenossen in der Niederlage bei Cannä mit dem Tode büßte; nicht den Marcus Marcellus 211, dessen Tod nicht einmal der grausamste Feind der Ehre des Begräbnisses entbehren ließ 212, sondern unsere Legionen, die, wie ich in meiner Urgeschichte 213 niedergeschrieben habe, sich mit freudigem und aufgerichtetem Muthe oft an Orte begaben, von wo sie nie zurückzukehren glaubten. Was also junge Männer, und zwar nicht allein ungebildete, sondern auch Leute vom Lande gering achten, davor sollten sich gebildete Greise fürchten?
76. Ueberhaupt verursacht, wie es mir wenigstens scheint, die Sättigung aller Lieblingsbeschäftigungen auch Sättigung des Lebens. Die Kindheit hat ihre bestimmten Lieblingsbeschäftigungen. Haben nun wol die Jünglinge Verlangen nach diesen? Auch das angehende Jünglingsalter hat solche. Sehnt sich wol nach ihnen das schon gesetzte Alter, das wir das mittlere nennen, nach ihnen zurück? Auch dieses Alter hat solche; aber auch nach diesen fragt das Greisenalter nicht. Zuletzt gibt es auch gewisse Lieblingsbeschäftigungen des Greisenalters. Sowie also die Beschäftigungen des früheren Lebensalters absterben, so sterben auch die des Greisenalters ab. Und erfolgt dieß, so bringt die Sättigung des Lebens den Zeitpunkt herbei, der uns zum Tode reif macht.
XXI.
Inhaltsverzeichnis
77. Ich sehe nicht ein, warum ich es nicht wagen sollte euch meine Gedanken über den Tod vorzutragen, wovon ich eine um so bessere Einsicht zu haben meine, je näher ich demselben stehe. Ich bin der Ansicht, daß euere Väter 214, Publius Scipio, und du, Gajus Lälius, Männer, die das größte Ansehen besaßen und mir höchst befreundet waren, leben, und zwar ein Leben, das allein den Namen »Leben« verdient. Denn so lange wir in diese Schranken des Körpers eingeschlossen sind, verrichten wir ein gewisses Amt des unvermeidlichen Verhängnisses. Der himmlische Geist ist nämlich aus seiner so erhabenen Heimat herabgedrückt und gleichsam herabgesenkt auf die Erde, einen seinem göttlichen und ewigen Wesen unangemessenen Ort. Aber ich glaube, die unsterblichen Götter haben die Seelen in die menschlichen Körper eingepflanzt, damit es Wesen gebe, welche die Erde in Obhut nehmen und welche, die Ordnung der Himmelskörper betrachtend, dieselbe in Maßhaltung und Gleichmäßigkeit ihres Lebens nachahmen 215.
Und zu diesem Glauben hat mich nicht allein das Nachdenken und die wissenschaftliche Untersuchung angetrieben, sondern auch die Berühmtheit und das Ansehen der größten Philosophen. 78. Ich hörte, Pythagoras 216 und die Pythagoreer – ich möchte sie unsere Landsleute nennen, da sie ehemals Italische Philosophen genannt wurden – hätten niemals gezweifelt, daß wir Seelen hätten, die aus der göttlichen Weltseele entnommen 217 seien. Es wurde mir außerdem gezeigt 218, was Sokrates am letzten Tage seines Lebens über die Unsterblichkeit der Seele gesprochen hatte, er, der durch Ausspruch des Apollo 219
Σοφὸς Σοφοκλη̃ς, σοφώτερος δ' Ευριπίδης,
’Ανδρω̃ν δὲ πάντων Σωκράτης σοφώτατος.
XXII.
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79. Bei Xenophon 220 aber spricht sich der ältere Cyrus nahe vor seinem Tode also aus: »Glaubt nicht, o meine theuersten Söhne, daß ich, wenn ich von euch geschieden bin, nirgends oder gar nicht mehr sein werde. Ihr saht ja auch, so lange ich bei euch war, meine Seele nicht; aber daß sie in diesem Körper wohne, erkanntet ihr aus den Handlungen, die ich verrichtete. Glaubt also, daß sie gleichfalls fortbestehe, wenn ihr sie auch nicht sehen werdet. 80. Und wahrlich, die Ehrenbezeigungen berühmter Männer würden nach ihrem Tode nicht fortdauern, wenn ihr Geist Nichts wirkte, wodurch wir das Andenken an sie länger bewahrten 221. Ich wenigstens konnte mich nie davon überzeugen, daß die Seelen, so lange sie in den sterblichen Körpern seien, lebten und, wenn sie aus denselben herausgegangen seien, dahinstürben; auch nicht, daß die Seele vernunftlos sei, wenn sie aus dem vernunftlosen Körper entwichen sei; sondern vielmehr, daß, wenn sie, von aller körperlichen Beimischung befreit, rein und lauter zu sein begonnen habe, dann erst weise sei. Auch ist es, wenn das Wesen des Menschen durch den Tod aufgelöst wird, deutlich, wohin jeder der übrigen Bestandtheile komme; es kehrt nämlich Alles dahin zurück, woher es entstanden ist; die Seele allein aber ist, weder wenn sie da ist, sichtbar, noch wenn sie weggeht. Ferner seht ihr, daß Nichts dem Tode so ähnlich ist als der Schlaf. 81. Nun aber thun die Seelen der Schlafenden am Meisten ihr göttliches Wesen kund; denn wenn sie losgespannt und frei sind, sehen sie Vieles von der Zukunft voraus. Hieraus ersieht man, wie sie beschaffen sein werden, wenn sie sich völlig von den Banden des Körpers losgemacht haben. Darum, fährt er fort, wenn dem so ist, verehrt mich wie einen Gott; ist es aber die Bestimmung der Seele, zugleich mit dem Körper unterzugehen, so werdet ihr doch aus Ehrfurcht vor den Göttern, die dieses schöne Weltall schirmen und leiten, das Andenken an mich fromm und unverletzt bewahren.«
XXIII.
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82. So äußerte sich der sterbende Cyrus. Laßt uns nun, wenn es beliebt, einen Blick auf unsere Geschichte thun. Niemand wird mich, mein Scipio, je überzeugen, daß dein Vater Paullus 222 oder deine beiden Großväter Paullus und Africanus 223 oder des Africanus 224 Vater oder Oheim oder viele andere ausgezeichnete Männer, die aufzuzählen nicht nöthig ist, so große Dinge unternommen hätten, die mit dem Andenken der Nachwelt in Beziehung stehen, wenn sie nicht in ihrem Geiste erkannt hätten, daß die Nachwelt mit ihnen in Beziehung stehe. Oder meinst du, – um auch von meiner Person nach Art alter Leute Etwas ruhmredig zu sagen, – ich würde so große Mühen bei Tage und bei Nacht im Frieden und im Kriege übernommen haben, wenn ich meinen Ruhm durch dieselben Gränzen, wie mein Leben, hätte beschränken wollen? Wäre es alsdann nicht ungleich besser gewesen mein Leben in Muße und Ruhe ohne alle Mühe und Anstrengung hinzubringen? Aber mein Geist, der sich, ich weiß selbst nicht wie, emporrichtete, blickte immer so auf die Nachwelt hin, als ob er dann erst leben würde, wenn er aus dem Leben herausgetreten wäre. Verhielte es sich nicht so, daß die Seelen unsterblich seien; so würden nicht die Seelen gerade der Edelsten am Meisten nach dem Ruhme der Unsterblichkeit 225 streben. 83. Wie? daß gerade die Weisesten mit der größten Gemüthsruhe, die Thörichtesten mit dem größten Unmuthe sterben, scheint euch darin nicht ein Beweis zu liegen, daß der Geist, der mehr und weiter sieht, erkennt, er gehe zu einem besseren Leben über, während derjenige, dessen Blick minder scharf ist, es nicht erkennt? Ich wenigstens fühle mich von dem Verlangen gehoben euere Väter, die ich verehrt und geliebt habe, zu sehen. Aber ich wünsche nicht allein mit denen zusammenzukommen, die ich selbst kannte, sondern auch mit denen, von denen ich gehört, gelesen und selbst geschrieben habe. Und wenn ich mich auf dem Wege dahin befände, so dürfte mich wahrlich nicht leicht Jemand davon zurückbringen, noch wie den Pelias wieder aufkochen 226. Und wollte es mir die Gottheit verleihen aus diesem Alter in die Kindheit zurückzukehren und in der Wiege zu wimmern, so würde ich mich dessen weigern, und ich würde in Wahrheit nicht wünschen gleichsam nach durchlaufener Bahn vom Ziele wieder zu den Schranken 227 zurückgerufen zu werden.
84. Denn was hat das Leben für Annehmlichkeiten? was hat es nicht vielmehr für Mühseligkeiten? Aber mag es immerhin jene haben, so hat es doch gewiß auch seine Sättigung oder sein Maß. Denn ich habe keine Lust das Leben zu bejammern, wie es viele und zwar gelehrte Männer oft gethan haben; auch gereut es mich nicht gelebt zu haben, weil ich so gelebt habe, daß ich nicht umsonst geboren zu sein meine, und ich scheide so aus dem Leben wie aus einem Gasthause, nicht wie aus einem Wohnhause. Denn zum Verweilen hat uns die Natur eine Einkehr gegeben, nicht zum Wohnen. O des herrlichen Tages, an dem ich zu jener göttlichen Versammlung und Zusammenkunft der Geister gehen und aus diesem Gewühle und Gewirre scheiden werde. Denn ich werde nicht allein zu den Männern kommen, von denen ich zuvor sprach, sondern auch zu meinem Cato 228, dem edelsten, dem durch kindliche Liebe ausgezeichnetsten Manne, der je geboren ward, dessen Leichnam ich verbrannte, während er dem meinigen diesen Dienst hätte erweisen sollen. Sein Geist aber, der mich nicht verläßt. sondern nach mir zurückschaut, ist unstreitig in jene Räume hingegangen, wohin ich gleichfalls, wie er wußte, kommen muß. Diesen meinen Unfall sah man mich standhaft ertragen, nicht als ob ich ihn mit Gleichgültigkeit ertragen hätte, sondern ich tröstete mich selbst mit dem Gedanken, daß die Trennung und Scheidung zwischen uns von nicht langer Dauer sein werde.
85. Solche Vorstellungen, mein Scipio, – das war es ja, was du, wie du sagtest 229, mit Lälius zu bewundern pflegtest, – machen mir das Alter leicht und nicht allein nicht beschwerlich, sondern sogar erfreulich. Wenn ich nun darin irre, daß ich an Unsterblichkeit der menschlichen Seele glaube, so irre ich gerne, und ich werde mir diesen Irrthum, an dem ich Freude finde, so lange ich lebe, nicht entreißen lassen. Sollte ich aber nach meinem Tode, wie gewisse kleinmüthige Philosophen 230 meinen, kein Bewußtsein mehr haben, so fürchte ich nicht, daß die todten Philosophen diesen meinen Irrthum verspotten. Ist es nun auch unsere Bestimmung nicht unsterblich zu sein, so ist es doch für den Menschen wünschenswerth, daß sein Leben zu seiner Zeit erlösche. Denn die Natur hat, wie für alle anderen Dinge, so auch für das Leben ein gewisses Maß festgesetzt. Das Greisenalter ist aber der letzte Aufzug des Lebens, wie der eines Schauspieles, und in ihm müssen wir die Ermüdung meiden, zumal wenn Sättigung hinzutritt.
Das sind die Gedanken, die ich über das Greisenalter vorzutragen hatte. Möget ihr doch zu demselben gelangen, damit ihr das, was ihr von mir gehört habt, durch eigene Erfahrung bestätigen könnet.
1 Ueber den Zustand der Philosophie bei den Römern vor Cicero, über die philosophischen Schulen, die zu Rom blühten, über das Leben Cicero's und über seine philosophischen Schriften habe ich ausführlich in der Schrift gesprochen, die den Titel führt: Marci Tullii Ciceronis in philosophiam ejusque partes merita. Hamburgi, sumptibus Friderici Perthes. 1825. Einen kurzen Auszug aus derselben habe ich in der Einleitung zu meiner Uebersetzung von Cicero's Tusculanen (Stuttgart, Krais und Hoffmann, 1855) gegeben.
2 S. die Einleitung zu meiner Uebersetzung der drei Bücher von dem Wesen der Götter S. 9 f.
3 S. Cicer. de Divinat. II. 1, 3.
4 Vgl. Cicer. Cat. 1, 3. Lael. 1, 4.
5 Ueber das Verhältniß des Scipio zu Cato s. Cicer. de Rep. II, 1, 1.
6 S. Cicer. Legg. II. 2, 5. Ueber Cato's Leben vgl. Corn. Nep. Vit. Catonis und Plutarch. Vit. Catonis.
7 Cicer. Rep. I. 1, 1: M. vero Catoni, homini ignoto et novo. Vgl. Cicer. pro Murena 8.
8 So nach Cicer. Cat. 4, 10. Aber Nep. 1, 2 den Cato unter den Consuln Q. Fabius und Marcus Claudius Kriegstribun in Sicilien sein. Nipperdey z. Nep. l. d. meint, beide Angaben ließen sich vielleicht dadurch vermitteln, daß Marcellus, bevor er nach Sicilien gesandt wurde, einige Zeit gemeinsam mit Fabius in Campanien operirt habe ( Livius 24, 19).
9 Nepos 1, 2.
10 S. Livius 34, 8 sqq. Eine Lobrede auf Cato s. 34, 40 u. 39, 40.
11 S. Cicer. Cat. 6, 18. Plutarch. Cat. 12.
12 Nach Cicer. Cat. 10, 32 und Plutarch. Cat. 12; aber nach Livius 36, 17 als Unterfeldherr ( legatus consularis).
13 Livius 36, 18. Plutarch. Cat. 13. Vgl. Cicer. Cat. 10, 32.
14 Livius 39, 40 sq. Plutarch, Cat. 16–19. Nepos Cat. 2, 3. Vgl. Cicer. Cat. 12, 42.
15 Schön sagt Livius 45, 25: Plurimum causam eorum (Rhodiorum) adjuvit M. Porcius Cato, qui, asper ingenio, tum lenem mitemque senatorem egit.
16 Plutarch. Cato 26 sq.
17 Cicer. Brut. 20, 80. 23, 90. de Orat. I. 53, 227.
18 S. Nepos Cato c. 3. Cicer. Brut. c 17. Fragmenta Catonis ex. rec. Aus. Popmae. c. ann. ejus et Jo. Meursii, Franeckerae 1620. p. 129.
19 S. unsere Anmerk. zu Lael. 3, 10.
20 S. unsere Anmerk. zu Lael. 3, 12.
21 Cicer. de Orat II, 37, 155.
22 Vellej. Pat. 1, 13.
23 Cicer. Acad. II. 2, 5. de Fin. IV. 9, 23. Tuscul. IV, 3, 5.
24 Cicer. Tusc. II. 26, 62. ad Quint. Fr. I, 8, 23.
25 Cicer. Brut. 21, 82 sqq. Vgl. 74, 258, de Offic. I. 32, 116.
26 S. unsere Schrift: Cicer. in philos. mer. p. 116 sqq.
27 IV. 10) entlehnt und an Titus Quinctius Flamininus gerichtet, hier aber auf Titus Pomponius Atticus angewendet. Als Flamininus in dem Kriege gegen den macedonischen König Philippus im J. 198 v. Chr. nach Epirus gekommen war, befand er sich in großer Verlegenheit, da nicht allein die Ortsbeschaffenheit unendliche Schwierigkeiten bot, sondern auch fast alle Felsen mit schwerem Geschütze von dem Feinde besetzt waren. So hatte er 40 Tage, ohne irgend Etwas unternehmen zu können, müssig vor den Augen der Feinde zugebracht, als ein Hirt, von Charopus, dem Fürsten der Epiroten, abgeschickt, ihm gegen eine Belohnung versprach einen Weg zu zeigen, auf dem er leicht die Feinde überraschen könne. S. Livius 32, 9–12.
28 Statt erat bei Halm lese ich mit Klotz und Anderen erit.
29 Titus Pomponius Atticus, ein Römischer Ritter und innigster Freund Cicero's, der auch durch die Verheirathung seines Bruders Quintus mit der Schwester des Atticus mit diesem verwandt war. Er schrieb mehrere geschichtliche Werke, z. B. eine Geschichte von Cicero's Consulate in Griechischer Sprache. Seinen Beinamen erhielt er von seinem langjährigen Aufenthalte in Athen. S. über ihn Cornel. Nep. und vgl. Orelli Onom. p. 481–483.
30 Der in der ersten Anmerkung erwähnte Hirt.
31 C. meint den verderblichen Zustand des Staates nach Cäsar's Ermordung.
32 Cicero, geb. 106 v. Chr., war damals 62, Atticus, geb. 109, 65 Jahre alt.
33 Tithonus, Sohn des Troischen Königs Laomedon, Gemahl der Eos (Aurora), welche für ihn von Zeus Unsterblichkeit erwirkt, aber vergessen hatte, zugleich ewige Jugend für ihn zu erbitten. Er wurde daher zuletzt ganz kraftlos, und Eos verwandelte ihn in eine Heuschrecke. S. Nitsch-Klopfer Mythol. Wörterb. Th. II. S. 597.
34 Aristo von Keos, einer cykladischen Insel, war ein Peripatetischer Philosoph, um 225 v. Chr. S. Cicer. Fin. V. 5, 13. Diog. L. 5, 64. Orelli Onom. I. p. 68, der J. G. Habmann in Jahn's N. Jahrb.-Supplementband 1. Hft. Lpzg. 1835. S. 102 ff. anführt.
35 Ueber M. Porcius Cato und den jüngeren Scipio s. die Einleitung zu der Schrift von der Freundschaft.
36 Eine sprüchwörtliche Redensart, die sich schon bei Euripides Herc. Fur. 637 f. findet:
37 Vgl. den Komiker Krates bei Stob. Floril. 115, 9:
38 Vgl. Cicer. Lael. 2, 6: Cato quasi cognomen jam habebat in senectute Sapientia. Vgl. Cicer. Legg. II. 2, 5. Vgl. die Einleitung S. 5.
39 Nach Plat. Rpb. I. p. 328, E: δοκει̃ γάρ μοι χρη̃νει παρ' αυτω̃ν (τω̃ν πρεσβυτέρων) πυνθάνεσθαι, ώσπερ τινὰ οδὸν προεληλυθότων, ὴν καὶ ημα̃ς ίσως δεήσει πορεύεσθαι, ποία τίς εστι, τραχει̃α καὶ χαλεπὴ ὴ ραδία καὶ εύπορος· καὶ δὴ καὶ σου̃ ηδίως ὰν πυθοίμην, ό τι σοι φαίνεται του̃το, επειδὴ ενταυ̃θα ήδη ει̃ τη̃ς ηλικίας, ὸ δὴ επὶ γήραος ουδω̃ φασιν ει̃ναι οι ποιηταί, πότερον χαλεπὸν του̃ βίου, ή πω̃ς σὺ αυτὸ εξαγγέλλεις.
40 Plat. l. d. p. 329, A: πολλάκις γὰρ συνερχόμεθα τινες εις ταυτὸ παραπλησίαν έχοντες, διασώζοντες τὴν παλαιὰν παροιμίαν. Das Sprichwort wird oft erwähnt, z. B. Plat. Symp. p. 195, B: ο γὰρ παλαιὸς λόγος ευ̃ έχει, ως όμοιον αεὶ πελάζει. Vgl. Homer. Od. ρ, p. 218.
41 Gajus Livius Salinator, im J. 188 v. Chr. Consul, 170 gestorben als Oberpriester. S. Liv. 38, 35. 43, 11.
42 Spurius Postumius Albinus im J. 186 v. Chr. Consul, 180 gestorben als Augur. S. Liv. 39, 6. 40, 42.
43 So erklärt Lehmeyer die Worte: importunitas autem et inhumanitas omni aetati molesta est richtig und vergleicht Catull. 51. 13. Schroffheit und Unfreundlichkeit erzeugt Menschen jeglichen Alters Verdruß und Unannehmlichkeiten. Vgl. die folgende Stelle Plato's. Die Lesart omni aetate ist mit Recht von den neueren Herausgebern verworfen worden. Der hier ausgesprochene Gedanke übrigens ist aus Plat. l. d. p. 329, D. entlehnt: αλλὰ καὶ τούτων πέρι καιτω̃ν γε πρὸς τοὺς οικείους μία τις αιτία εστιν, ου τὸ γη̃ρας, ω Σώκρατες, αλλ' ο τρόπος τω̃ν ανθρώπων· ὰν μὲν γὰρ κοσμιοι καὶ εύκολοι ω̃σι, καὶ τὸ γη̃ρας μετρίως εστὶν επίπονος· ει δὲ μή, καὶ γη̃ρας, ω̃ Σώκρατες, καὶ νεότης χαλεπὴ τω̃ τοιούτω ξυμβαίνει.
44 Seriphus, eine kleine und felsige Insel (jetzt Sersanto), eine der Cykladen im Aegäischen Meere. Vgl. Cicer. N. D. I. 31, 88. Die angeführte Anekdote hat Cicero gleichfalls aus Plat. Rpb. p. 329, E entlehnt:τὸ του̃ Θεμιστοκλέους ευ̃ έχει, ὸς τω̃ Σεριφίω λοιδορουμένω καὶ λέγοντι, ότι ου δὶ αυτόν, αλλὰ διὰ τὴν πόλιν ευδοκιμοι̃, απεκρίνατο, ότι ούτ' ὰν αυτὸς Σερίφιος ὼν ονομαστὸς εγένετο, ούτ' εκει̃νος ’Αθηναι̃ος.
45 Auch diese Stelle ist aus Plat. p. 330, A entlehnt: ούτ' ὰν ο επιεικὴς πάνυ τι ραδίως γη̃ρας μετὰ πενίας ενέγκοι, ούθ' ο μὴ επιεικὴς πλουτήσας εύκολος ποτ' ὰν εαυτω̃ γένοιτο.
46 multum (viel) bezieht Lehmeyer richtig auf den Reichthum des Erlebten.
47 Der berühmte Quintus Fabius Maximus, der, im zweiten Punischen Kriege im J. 217 v. Chr. zum Dictator gewählt, nach den unglücklichen Schlachten der Römer am Ticinus, an der Trebia und am Trasimenischen See den Römischen Staat dadurch, daß er einer Schlacht mit Hannibal auswich, rettete und daher den Beinamen Zauderer ( Cunctator) erhielt. Im J. 233 war er zum ersten, 208 zum fünften Male Consul, nahm er Tarentum wieder ein; im J. 202 starb er. Vgl. Orelli Onom. p. 246 sq.
48 D. h. nach Campanien, dessen Hauptstadt Capua war. Ueber das Zeitverhältniß s. die Einleitung S. 6.
49 Publius Sempronins Tuditanus und Marcus Cornelius Cethegus waren im J. 204 v. Chr. Consuln.
50 Marcus Cincius Alimentus schlug als Volkstribun im J. 204 v. Chr. das Gesetz vor, in dem den Sachwaltern verboten wurde für ihre Rechtsvertheidigung Geld oder ein Geschenk von ihren Clienten anzunehmen. S. Orelli Index Legum in Onom. p. 151.
51 Ennius aus Rudiä in Calabrien, geb. 230 v. Chr., gest. 169, Vater der Römischen Dichtkunst, hat viele Griechische Tragödien, namentlich des Euripides, und Komödien frei in's Lateinische übersetzt, sowie auch ein historisches Epos, Annalen genannt, welches in achtzehn Büchern die Geschichte Roms bis zu dem ersten Punischen Kriege umfaßte, in Hexametern geschrieben. Sowol dieses als jene sind bis auf einige Bruchstücke verloren gegangen. Die Bruchstücke der Annalen sind von Spangenberg ( Lips. 1825) gesammelt. Die hier erwähnte Stelle ist aus den Annalen. Den ersten Vers führt Livius 30, 27 an: nihil certius est quam unum hominem nobis cunctando rem restituisse, sicut Ennius ait.
52 Marcus Livius Salinator, im J. 206 v. Chr. zum zweiten Male Consul mit Gajus Claudius Nero, besiegte mit diesem den Hasdrubal am Flusse Metaurus in Umbrien. Die hier erwähnte Sache wird von Cicero auch de Orat. II. 67, 273 dem Salinator zuertheilt; bei Polybius aber 8, 19 wird statt Salinator Gajus, bei Livius 27, 34 Marcus Livius Macatus und 27, 25, sowie bei Plutarch. Fab. c. 23 bloß Marcus Livius genannt. Gernhard sucht zu beweisen, daß Cicero den Marcus Livius Salinator mit dem Marcus Livius Macatus verwechselt habe.
53 D. h. im Frieden. die toga war das Friedenskleid, sowie sagum das Kriegskleid der Römer.
54 Fabius war zum zweiten Male Consul im J. 227 v. Chr. mit Spurius Carvilius.
55 Gajus Flamininus Nepos machte im J. 227 v. Chr. als Volkstribun den oben angegebenen Gesetzvorschlag. Im J. 217 wurde er, zum zweiten Male Consul, am Trasimenischen See in Etrurien von Hannibal gänzlich geschlagen und mit dem größten Theile seines Heeres getödtet. Vgl. Cicer. de Orat. II. 12, 54.
56 und als solcher das Ansehen der Auspicien auf jede Weise hatte wahren sollen.
57 Vgl. Homer. Iliad. μ, 243: εις οιωνὸς άριστος αμύνεσθαι περὶ πάτρης.
58 Der auch Quintus Fabius Maximus hieß. Er war im J. 212 v. Chr. Consul.
59 Cato meint den älteren Scipio Africanus, der im J. 205 v. Chr. zum ersten Male Consul war und durch den 202 über Hannibal bei Zama in Afrika errungenen Sieg den zweiten Punischen Krieg beendigte.




